Leben mit Kindern: Alles andere als perfekt

Ich bin ein Mensch mit Fehlern. Ich bin kein 100 Prozent-Mädchen. Ich bin nicht sehr konsequent, was gute Vorsätze angeht und ich bin eine Meisterin im Sich-selbst-belügen. Ich bin zweifache Mutter und an manchen Tagen einfach froh, wenn alle heil und gesund im Bett liegen. Ich bin nicht zufrieden mit mir. Ich möchte, dass die Kinder drei gesunde Mahlzeiten bekommen und zwei gesunde Snacks. Ich möchte, dass alle zusammen am Tisch sitzen, die Große ihre Gemüsebällchen mit Kartoffeln isst und der Kleine seinen Brei. Oder Fingerfood, der Trend heißt Baby Led Weaning und soll eine Alternative für Babys (oder deren Mütter) sein, die keinen Brei mögen. In der Realität isst die Große jeden Tag Nudeln oder Spiegelei, der Kleine gar nichts. Will nur Milch. In der Krabbelgruppe berichten Mütter, dass ihr zehnmonatiges Kind schon fleißig Familienkost isst und tagsüber überhaupt keine Milch mehr braucht. Fühle mich bescheuert.

Zusammen am Tisch essen klappt auch nur bedingt. Die Dreijährige will nach dem Aufstehen sofort Müsli, sonst rastet sie aus. Der Kleine erstmal Milch. Fühle mich schlecht, weil ich der Großen kein vernünftiges Mahlzeitenverhalten bieten kann und in die Brotdose nur normale Apfel- und Gurkenschnitze lege und kein Obst und Gemüse in Sternchen- oder Herzform.

Habe letztens versucht, Brownies ohne Zucker zu backen. Mit Süßkartoffeln. Damit das Kind mal nicht nur Süßes zum Vesper isst und dann abends keine Lust mehr hat auf Brot. Habe sie mit backen lassen, hat ihr wie immer gefallen. Nur geschmeckt hat es ihr nicht. Wollte Quarkbällchen und Papageienkuchen. Haben uns dann auf Brötchen mit Schokoladenaufstrich geeinigt. Vollkorn,  immerhin.  Abends pintereste ich Rezepte für gesunde Nachmittagssnacks, die auch das Baby knabbern kann. Meine „Pinnwand“ ist voll mit Rezepten. Noch nicht geschafft, eins davon auszuprobieren.

Kochen ist immer Stress. Der Kleine will auf meinen Arm, wird sonst quengelig. Meistens kommt er in die Trage, dort hält er es aber nur aus, wenn ich ständig in Bewegung bin. Am Herd manchmal mühsam. Gestern habe ich die Trage gewaschen und dann in der Maschine vergessen. Esel, ich. Heute früh war sie natürlich noch nass. Musste das Baby anderweitig ablenken beim Kochen. Einzige Möglichkeit sind verbotene Dinge. Hat erst die Fernbedienung bekommen. Dann den Müll ausgeräumt. Papiermüll, Gott sei Dank.

Ich bin auch nicht mehr durchgängig vegan.  Vegan SEIN, geht ja eh nicht, fällt mir auf. Sind Menschen vegan? Ich ESSE nicht mehr vegan. Ich habe in der Schwangerschaft den Fehler gemacht, meinen Gelüsten nachzugeben und Käse zu essen. Seitdem komme ich nicht mehr davon los. Liegt am Kasein. Ist ein Milchprotein, das süchtig macht. Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert, ihr wisst schon. Und ich brauche dringend Belohnung! Und manchmal ein Spiegelei.

Man soll sich am häufiger in Dankbarkeit üben. Danke sagen. Mache das Leben reicher und glücklicher. Bin wahnsinnig froh, meine beiden Kinder zu haben und könnte mir ein Leben ohne sie tatsächlich nicht mehr vorstellen. Immer wenn es hart wird, sage ich danke. Alle gesund, alle liebenswert, alle brauchen mich. Das Baby schläft nur ein, wenn ich neben ihm liege. Danke. Die Große ruft zum x-ten Mal nach mir, weil irgendein Kuscheltier fehlt. Danke. Jemand klingelt an der Tür, beide Kinder wieder wach. Danke!

Danke, danke, danke. Ich weiß, dass der Mensch mit seinen Aufgaben wächst. Fühle mich innerlich drei Meter groß. Neulich war ich morgens so mies drauf, weil es wieder erst fünf Uhr war und die Große direkt aufstehen wollte. Habe sie angepflaumt und dadurch das Baby geweckt. Kann man noch genervter sein von sich selbst? Sie hat ein Wort für meinen Gemütszustand erfunden: „Mütend“. Sollte in den Duden aufgenommen werden.

Ich schaffe es meistens, die Kinder mit Liebe und Zuneigung zu überschütten. Lasse sie möglichst selbstbestimmt aufwachsen, respektiere ihre Wünsche und Bedürfnisse und bin kein Freund von rigorosen Erziehungsmethoden. „Zu lasch“, heißt es dann. Kinder brauchen Führung. Ich finde, Kinder brauchen Wärme. Eltern, die sie bedingungslos lieben und annehmen wie sie sind. Be-ziehung statt Er-ziehung. Hinterfrage mich lieber selbst und mein Verhalten, anstatt an ihnen herumzukritisieren und zu schimpfen. Manchmal schimpfe ich. Und merke dann, dass ich eigentlich mit mir selbst schimpfe.

Hurt people hurt people, verletzte Menschen verletzen Menschen. Versuche, mich selbst mehr zu lieben. Klappt auch manchmal echt gut, zum Glück. Sanfter zu mir zu sein, um noch geduldiger mit den Kindern sein zu können. Meine To-Do- oder besser gesagt To-Be-Liste ist endlos. Vegan leben, nachhaltig, gesund, mehr trinken, dankbar sein, sportlich sein, jung bleiben, mich ständig weiterbilden, im Einklang mit mir und mit anderen sein, Vorbild sein, eine gute Mutter sein, geben statt nehmen, inneren Frieden finden und ausstrahlen.

Habe diesen Text schnell runtergeschrieben und werde später an ihm herummeckern. Aber ich weiß, dass es auch anderen Müttern so geht. ALLE Mütter und Väter fühlen sich manchmal so. Es ist okay! Wir sind die besten Eltern, die unsere Kinder haben können.Weil wir ihre einzigen sind. Wir geben alle jeden Tag unser Bestes, um aus ihnen anständige Menschen zu machen. Und, noch viel wichtiger, sie GLÜCKLICH zu machen. Und wenn es dafür ab und zu eines Schokobrötchens bedarf, dann ist das in Ordnung, finde ich. Macht euch locker, man muss die Zeit nicht immer genießen. Aber so richtig auskosten.

Wir sind alle keine 100 Prozent-Mädchen. Wir sind Menschen mit Fehlern. Danke.

 

 

3 Gedanken zu „Leben mit Kindern: Alles andere als perfekt“

  1. Woher hast du den Begriff 100 %-Mädchen und was soll er bedeuten? Weiblich sind wir ja schon oder meinst du Mädchen im Sinne von Hausmädchen, das alles erledigt? Oder bezieht es sich auf „I´m not a girl“ von Britney Spears … Die Problematik jedenfalls, immer viiiiiiiiiiiiel zu wenig zu schaffen, die kenn ich natürlich.

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    1. Danke für deinen Kommentar! 🙂 Du hast recht, der Begriff könnte missverständlich sein. Ich meine damit jemanden, der immer 100 Prozent gibt, sich voll und ganz einer Sache verschreibt und das Ding durchzieht. Das bezieht sich gar nicht aufs Geschlecht, Mädchen heißt es einfach weil ich weiblich bin.;) und warum ich nicht Frau geschrieben habe, weiß ich auch nicht. Irgendwie hatte ich da schon das Dienen in der Semantik. Als Dienerin oder Mädchen für alles fühlt man sich ja oft genug mit Kindern. 😉 Liebe Grüße nach Dresden!

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