Es gibt immer was zu tun

Ein Kind ist ein riesen Projekt. Also, nicht speziell nur für mich. Generell. Für alle Mütter, Väter, Familien, Schulen, Politiker, die ganze Welt. Ein Kind groß zu ziehen ist eine der komplexesten Angelegenheiten, die es gibt, und wohl auch die schwierigste. In jedem Kind steckt der Keim für eine bessere Welt. Oder eine schlechtere, je nachdem, wie es aufwächst.

Kein Wunder, dass viele vor der immensen Verantwortung zurückschrecken. Ein Kind zu haben bedeutet, nie mehr richtig zu schlafen. NIE mehr.

Am Anfang, weil es rund um die Uhr Nähe, Nahrung, Nestwärme braucht. Später, weil es krank ist, ein „Uhu“ vor seinem Fenster sitzt oder weil ihm um drei Uhr nachts eingefallen ist, dass es jetzt doch etwas zum Abendbrot essen möchte. Und wenn es erwachsen ist und längst von zuhause ausgezogen, schläft man trotzdem nicht. Weil es schwer fällt, als Sorgeberechtigter das Sorgen zu lassen.

Ein Kind zu haben bedeutet auch, sein egozentrisches Weltbild zu hinterfragen. Ein Bandscheibenvorfall wird komplett zur Nebensache, wenn das Kind plötzlich fiebert. Stress auf der Arbeit, Kopfschmerzen, schlechte Nachrichten – alles Nebensache, wenn einem das Kind beim Abholen aus der Kita strahlend in die Arme fliegt. Pärchenabende, gemütlich Essen, in Ruhe einen Film schauen – logisch, Nebensache!

Ein Kind zu haben ist anstrengend und nervenaufreibend. Es bringt einen an seine physischen und mentalen Grenzen, von weiteren Kindern im Haushalt ganz zu schweigen. Ich glaube ja, dass viele Sprichwörter von Menschen erfunden wurden, die Kinder haben. WEIL sie Kinder haben. „Alles in Butter“ zum Beispiel. Oder „auf der Nase herumtanzen“. Mit Kindern staunt man Bauklötze. Sucht das Haar in der Suppe. Und manchmal pfeift man aus dem letzten Loch. Auch „sich die Zähne ausbeißen“ bekommt mit Kindern eine tiefere Bedeutung, wenn man seinen verschollenen Ohrring morgens in den Haferflocken wiederfindet. Ebenso die Redewendung – und diese ganz besonders – „Jemanden auf Händen tragen“.

Als Kinderloser wundert man sich womöglich, wieso Eltern so einen Ruß um ihre Kinder machen. Da gibt es Eltern mit den übelsten Arschlochkindern, also ich meine so richtig verzogene Gören, die so nervig und unsympathisch sind, dass es doch selbst den Erzeugern auffallen muss. Und was machen die? Blinzeln ihren Goldkindern noch mit Herzchenaugen zu, wenn sie Friseur gespielt und Nachbars Pudel einen Igel verpasst haben.

Tja, mit eigenen Kindern ändert sich alles. Am meisten, und das finde ich am wichtigsten und schönsten: man lacht häufiger. Es heißt, Kinder lachen rund 400 mal am Tag. Erwachsene nur 15 mal. Und, glaubt mir, Kinder geben einem ständig Anlass zum Lachen! Mit Kindern erhöht sich die Freude drastisch. Man denke nur an die vielen, vielen Kleinigkeiten, über die sich Kinder freuen. Ein vorbeifahrender Bagger. Ein Gänseblümchen am Wegesrand. Eine Pfütze. Gummibärchen. Ein Pups. Und wir, weil wir Beobachter oder Auslöser dieser kleinen Glücksmomente sind, freuen uns jedes Mal total mit.

Ich finde übrigens auch nicht, dass sich mit Kindern Stress und Ärger erhöhen. Sie lagern sich nur um. Früher war es der Chef , der einen mit seinen unverhältnismäßigen Forderungen zur Weißglut getrieben hat. Heute können wir über dessen Aufgaben nur müde lächeln, angesichts des kleinen Tyrannen zuhause. Jeder, der seinem Kind schon mal das Brot nicht im richtigen Winkel geschnitten hat (der sich stets spontan und unvorhersehbar ändert), weiß, wovon ich rede.

Und dennoch. Eine Mutter ohne Kind ist keine Mutter. Ein Vater ist kein Vater, sondern einfach ein Mann. Kinder sind wie eine Auszeichnung. Eine Medaille, nicht VOR der Brust, sondern in ihr. Die man verliehen bekommt, wenn man noch gar nichts Großartiges geleistet hat und der man sich erst als würdig erweisen muss. Denn darum geht es. Das große Geschenk und die große Pflicht, die das Projekt „Kind“ mit sich bringt, ernst zu nehmen und dafür tagtäglich sein Allerbestes zu geben. Nur so bekommen wir eine bessere Zukunft. Und eine bessere Welt.

Okay okay, das Ende war vielleicht etwas pathetisch. Aber hey, mit Kindern wird man sentimental! Und ja, meine kinderlosen Freunde, ich meine jedes Wort ernst. In diesem Sinne: macht Kinder! Zu eurem wichtigsten Projekt.

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