Der Countdown läuft! Wo entbinden? Klinikgeburt vs. Geburtshaus

Als ich noch nichts übers Kinderkriegen wusste, stellte ich mir Entbindungen so vor, wie man sie aus amerikanischen Sitcoms kennt: Sterile Krankenhausbetten, dazwischen speckige Vorhänge und in jeder Ecke schreit eine Frau. Ärzte, die hektisch hin und her wuseln, Tränen, wenn die Babys endlich draußen sind. Vor der Tür steht bereits die versammelte Großfamilie, die nur darauf wartet, Blumensträuße und kitschige Geschenke ums Bett zu drapieren und das Baby unter den mindestens 25 Leuten herumzureichen. Dann stürmt die Sippe herein, und nötigt Mutter und Vater mitsamt Baby direkt nach der Niederkunft zu einem gemeinsamen Familienfoto.

Der komplette Albtraum!

Ich habe mir immer eine Hausgeburt gewünscht, auch beim ersten Kind. In meiner gewohnten Umgebung, ohne nervige Ärzte, nur mit meinem Partner und der Hebamme meines Vertrauens. Leider leben wir in einer Gesellschaft, in der eine Schwangerschaften als Krankheit und die Entbindung als pathologischer Krisenzustand angesehen werden. Die erste, die mir die Illusion einer Hausgeburt nahm, war meine damalige Hebamme: Zu unsicher, zu unhygienisch, zu risikoreich. Als ob ich vorhätte, mein Kind auf einer Bahnhofstoilette in Köln-Kalk zu gebären.

Die nächste, die dagegen wetterte, war die Hebamme aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Auch ihrer Ansicht nach sind Haugeburten programmierter Selbstmord. Verunsichert und eingeschüchtert habe ich mich damals schließlich für eine Geburt in einem großen Krankenhaus mit angegliederter Kinderklinik entschieden. Das Ergebnis: komplette Fremdbestimmung im Kreißsaal, nervige Krankenschwestern und noch nervigere Bettnachbarinnen. Die Konsequenz: Stillprobleme ab dem ersten Tag inklusive bedauerlichen Abstillens nach zwei Wochen aufgrund von Milchstau und wiederholten Entzündungen.

Also wird es jetzt beim zweiten Kind endlich eine Hausgeburt? Ihr werdet lachen, aber nun mag ich nicht mehr zuhause entbinden. Nach langem Hin und Her habe ich mich wieder für eine Klinikgeburt entschieden. Das hat aber diesmal nicht wieder was mit den Hebammen zu tun. Nein, vielmehr mit meinen Erfahrungen bei der ersten Geburt.
Zum einen, weil ich jetzt weiß, wie ich mich nach einer Entbindung fühle. Ich bin K.O., ich bin ausgelaugt, ich fühle mich schmuddelig und ich möchte einfach meine Ruhe haben. Zuhause können mir die Verwandten noch so viel Arbeit abnehmen, ich fühle mich trotzdem in der Pflicht, mit anzupacken, Essen zu kochen und vor allem auch mich um mein erstes Kind zu kümmern. Das Mama-Verantwortungsgefühl eben. In der Klinik bin ich ausgebremst – und das ist gut so. Ich möchte dieses Mal wirklich unglaublich gern erfolgreich stillen und kein Brust-Trara riskieren, nur weil ich mich wieder nicht angemessen schone.

Und zum anderen: So eine Geburt ist schon eine üble Sauerei. Ich meine, das Blut, die Gerüche, die schmutzigen Laken… da bin ich doch froh, wenn das Saubermachen jemand anderes übernimmt und wir nicht unsere Einrichtung opfern.

Zum Thema Geburtshaus. Ich kenne Frauen, die in Geburtshäusern entbunden haben und total begeistert waren. Ich stelle mir das auch als wunderbare Alternative vor und habe mir gleich zu Beginn der zweiten Schwangerschaft eines angeschaut. Geburtshäuser werden von Hebammen geleitet und bieten den Vorteil, dass man als Frau die Geburt selbstbestimmt und weitgehend ohne Technik in entspannter Atmosphäre erleben darf. Der Nachteil (wenn man das als solchen empfindet), ist, dass man wenige Stunden nach der Geburt wieder nach Hause fahren muss. In Hinblick auf die Sehnsucht nach meiner Alisa, die mich durch die Trennung auf jeden Fall überkommen wird, erschien mir das total praktisch. Aber ich weiß auch, dass ich nicht der Typ bin, der sich nach der Geburt sofort wieder in normale Klamotten zwängt und schnurstracks ins Auto steigt um Heimzufahren. Wie gesagt, ich möchte mich einfach erholen und ganz in Ruhe mein Baby kennenlernen.

Und dazu kommt noch der Weg zum Kinderarzt für die U2. Beim letzten Mal habe ich mich nach einem Tag Klinikaufenthalt selbst entlassen und musste dann direkt an Tag drei mit meinem Baby zum Kinderarzt gondeln, damit er diese Untersuchung, die normalerweise direkt in der Klinik gemacht wird, durchführt. Auch diesen Stress möchte ich mir und dem Baby diesmal ersparen.

Alles in allem ist eine Geburt im Geburtshaus weniger komfortabel als eine Hausgeburt und bietet dabei nicht den medizinischen Standard einer Klinik. Deshalb habe ich mich am Ende dagegen entschieden – auch wenn dort sicher sehr viele Frauen ganz wunderbare Geburten erleben und auf diese Erfahrung schwören. Aber das muss jeder für sich selbst festlegen.

Noch ein Paar Worte zur Wahl der Geburtsklinik: Bei Alisa damals waren wir zu einem Infoabend in einem renommierten und beliebten Krankenhaus mit einem super lustigen und charmanten Chefarzt. Dieser war letztendlich auch der Grund, warum wir uns für jenes Krankenhaus entschieden haben. Rückblickend weiß ich: es kommt nicht auf den Chefarzt an. Auch nicht auf die Größe der Klinik, die Farbe der Kreißsaalwände, ob Lachgas gegen die Wehenschmerzen eingesetzt wird oder ob das Essen gut schmeckt.

Was für mich wichtig ist, ist a) die Entfernung des Krankenhauses zum Wohnort, b) ob die Hebammen und Schwestern sympathisch und kompetent sind und c) ob es Familien- oder Einzelzimmer gibt. Manchen ist noch wichtig, ob in der Klinik das Baby im Notfall intensivmedizinisch behandelt werden könnte und wieder andere legen hohen Wert auf eine Wassergeburt oder eine spezielle Ausstattung der Kreißsäle. Ich habe mir jetzt eine kleine, eher familiär anmutende Klinik mit sehr netten Hebammen und – das war mir am wichtigsten – Einzelzimmern ausgesucht.

Das ist wie gesagt meine persönliche Ansicht zu dem Thema. Ob mir die Entscheidung für eine andere Geburtsklinik einen besseren Start mit dem Baby bescheren wird, weiß ich nicht. Man kann eben nicht alles planen. Und spätestens unter der Geburt wird mir sowieso alles egal sein. 🙂

Wie ist eure Meinung zu dem Thema? Seid ihr eher Team Geburtshaus oder Team Kreißsaal? Oder hattet ihr gar eine Hausgeburt?

XOXO,

Annemarie

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