Listen, Schmerzen und doppeltes Glück: 7 Dinge, die in der zweiten Schwangerschaft anders sind

Als ich mit Alisa in den Wehen lag und die Kreißsaal-Hebamme mich fragte, ob dies mein erstes Kind sei, habe ich geschrien und war mir sicher, dass es auch mein letztes ist.

Nun, nach einiger Zeit vergisst frau die Schmerzen der Geburt. Und in dem Maße, in dem die Erinnerung an das Schlechte verblasst, nimmt die Erinnerung an das Schöne zu: An die Freude über den positiven Schwangerschaftstest. An das euphorische Shoppen von winziger Babykleidung. An die ersten Tritte des kleinen Bauchbewohners. An die Ultraschall-Termine. An die Aufregung vor der Geburt. Und schließlich an den ersten Blick in diese wunderschönen, beinahe mystischen Augen, die fragend und staunend, ebenfalls zum allerersten Mal, auf ihre Mami schauen.
Die erste Schwangerschaft war spannend und geheimnisvoll. Beinahe täglich habe ich irgendwelche Bücher zum Thema gelesen, die Schwangerschaftswochen via App nachverfolgt und protokolliert, den Terminen beim Frauenarzt entgegengefiebert, Ultraschall-Bilder ins Fotoalbum geklebt, einen Gipsabdruck vom Babybauch gemacht und das Kinderzimmer schon Monate vor dem Termin mit jeglichem Schnickschnack ausgerüstet. Und jetzt? Für das neue Baby haben wir noch nicht einmal einen Namen!

Dass die zweite Schwangerschaft so völlig anders ist als die erste, ist keine große Überraschung. Dass ich sie aber, abgesehen von den körperlichen Einschränkungen, nicht einmal wirklich wahrnehme, hätte ich nicht erwartet.

7 Dinge, die anders sind:

1. Die Vorfreude

Versteht mich nicht falsch, ich freue mich tierisch auf mein 2. Baby! Aber die Freude hat im Alltag gar keinen richtigen Platz. Ich war die letzten 31 Wochen so mit dem beschäftigt, was im Außen passiert, meiner Selbständigkeit, der Arbeit, dem Haushalt und natürlich Kind Nummer 1, dass ich einfach keine Zeit hatte, mich intensiv mit dem auseinanderzusetzen, was IN mir vor sich geht. Die Frauenarzttermine erscheinen mir dieses Mal beinahe nervig häufig, meine Schwangerschaftsbücher liegen irgendwo verschüttet auf dem Dachboden und meine App informiert mich zwar einmal die Woche, dass eine neue Schwangerschaftswoche begonnen hat, aber es läuft halt alles so nebenher.

2. Der Körper

Logischerweise verändert sich der Körper in der Schwangerschaft. Bei meiner Tochter damals war die einzige Veränderung, die ich wirklich bewusst wahrnahm, der große Babybauch. Den habe ich jetzt natürlich auch, aber wie! Mein Bauch war dieses Mal bereits in der 16. Woche so groß wie damals in der 26. Und ich bin gesundheitlich wesentlich mehr eingeschränkt. Während ich in der ersten Schwangerschaft noch in der 34. Woche wild auf einer Hochzeit getanzt habe, bin ich jetzt froh, wenn ich es abends auf allen Vieren ins Bett schaffe.

In der 21. Schwangerschaftswoche hatte ich einen Bandscheibenvorfall und jeder, der diese Rückenschmerzen schon einmal am eigenen Leib erfahren musste, weiß, dass das ohne Schmerzmittel quasi nicht auszuhalten ist. Tja, wenn man schwanger ist, muss man das leider. Mehr als drei Paracetamol am Tag waren nicht erlaubt. Selbst wenn, bei mir haben sie sowieso nicht angeschlagen und außerdem hatte ich Angst, dass das Pharmazeug meinem Baby doch irgendwie schadet. Da lieber leiden!

Die Beschwerden im Rücken wurde nach drei, vier Wochen zwar zum Glück wieder besser, dafür habe ich jetzt mit Beckenschmerzen zu tun. Die Symphyse! Hatte ich bei Alisa schon, aber erst später und irgendwie war das da auch nicht so schmerzhaft. Wer nicht weiß, was eine Symphyse ist: das ist die knorpelige Verbindung zwischen den beiden Beckenhälften, die sogenannte Schambeinfuge. Und wenn man (so hat es mir meine Frauenärztin erklärt) nun mal eher schmal und zierlich gebaut ist, wird der Druck des Babybauches auf das Becken irgendwann so groß, dass sich die Beckenhälften auseinanderschieben und die Symphyse schmerzhaft gedehnt wird. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Symphysensprengung, aber das passiert zum Glück sehr selten. Naja, die Konsequenz ist jetzt auf jeden Fall, dass ich weder viel laufen, noch viel sitzen, noch viel heben, noch sonst irgendwas zu viel machen darf. Ziemlich unmöglich im Alltag mit Kleinkind, finde ich.

3. Die Sorgen

Viele, die zum zweiten Mal schwanger sind, sagen ja, dass sie es dieses Mal viel entspannter angehen und sich nicht so verrückt machen wegen irgendwelcher Vorsorgeuntersuchungen oder Komplikationen in der Schwangerschaft. Schließlich haben sie schon einmal ein Kind gesund zur Welt gebracht. Ich muss sagen, ich mache mir wesentlich mehr Gedanken als damals beim 1. Kind. Bei Alisa bin ich ganz naiv und unvoreingenommen an die Sache herangegangen und hatte eigentlich nie Sorge, dass irgendetwas schief gehen könnte. Vielleicht durch die vielen Beschwerden, die ich damals nicht hatte, vielleicht auch, weil ich jetzt weiß, WAS alles schiefgehen kann, bin ich generell unentspannter. Ich möchte definitiv wieder natürlich und spontan entbinden und habe gleichzeitig Angst vor den Schmerzen und der Geburt an sich.

4. Die Planung

Wie schon gesagt, in der 1. Schwangerschaft bin ich alles recht planlos angegangen. Ich hatte zwar eine ungefähre Vorstellung davon, wie ich mir die Geburt wünsche und wie das Wochenbett verlaufen sollte, vorbereitet habe ich mich darauf aber bis auf gelegentliche Dammmassagen (!) so gut wie gar nicht. Dementsprechend chaotisch und ja, schlimm, empfand ich die erste Zeit nach der Entbindung. Ich hatte nicht einmal genug Klamotten mit im Krankenhaus! Von vernünftigen Still-BHs und anderen nützlichen Wochenbettdingen ganz zu schweigen. Dieses Mal möchte ich besser vorbereitet sein. Meine Symphyse zwingt mich zur Ruhe und mehr oder weniger ungewollt komme ich endlich dazu, Listen zu schreiben, Pläne zu schmieden (und das halbe Internet leer zu kaufen). Ich habe Listen für:
– die Babyausstattung
– das Wochenbett
– die Kliniktasche für mich
– die Kliniktasche für das Baby und
– die Vorbereitungen in unserer Wohnung.

Komplett verrückt, ich weiß. Aber das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit und die Hoffnung, dass diesmal alles besser und leichter wird. Ob es was nützt, wird sich zeigen.

5. Die Zeit für mich

… war in der ersten Schwangerschaft sehr viel, in den vergangenen Wochen jedoch quasi nicht vorhanden.

6. Die Gefühle

In Schwangerschaft Nummer eins gab es für mich genau ein vorherrschendes Gefühl: pures Glück. Schwangerschaft Nummer zwei ist viel widersprüchlicher. Glück, ganz klar, aber eben auch Zweifel, Sorgen, Grübeleien. Vor allem deshalb, weil ich keine Ahnung habe, wie das Leben mit Baby UND Kleinkind aussehen wird. Wie ich beiden gerecht werde, so dass keiner zu kurz kommt. Wie Alisa auf das Baby reagiert. Ob das Baby viel schlafen wird oder ob es viel schreit. Ob ich es stille. Wie die Nächte werden, wenn alle bei uns im Bett schlafen. Ob es finanziell funktioniert. Ob unsere Wohnung groß genug ist für zwei Kinder. Ob ich ab Herbst wieder Yoga unterrichten kann. So viel Ungewissheit. Und doch überwiegen am Ende das Glück und die Freude, ein zweites Mal ein kleines Wunder aufwachsen sehen zu dürfen.

7. Die Nicht-Selbstverständlichkeit

Beim ersten Kind habe ich im Großen und Ganzen nur reagiert. Mir war nicht bewusst, WIE schnell die Babyzeit vergeht und dass ich sie sehnlichst vermissen werde. So toll es ist, die Fortschritte meiner Kleinen zu beobachten, so sentimental stimmt mich ihr Größerwerden und ihre nahezu täglich wachsende Selbständigkeit. Ich freue mich, all die niedlichen Babymomente und ersten Male nun noch einmal neu erleben zu dürfen. Bei Kind Nummer zwei weiß man alles ein bisschen mehr zu schätzen.

Ihr Mütter da draußen, wie war das bei euch? Ging es euch ähnlich? Habt ihr die zweite Schwangerschaft auch so völlig konträr empfunden, besser oder schlechter als die erste? Und wie habt ihr euch vorbereitet? HABT ihr euch vorbereitet?

XOXO,

Annemarie

Eines der wenigen Fotos von mir in der 2. Schwangerschaft. Man sieht – eigentlich nichts. Ohne Mist, es gibt wirklich so gut wie keine Bilder! Muss ich dringend ändern…

3 Gedanken zu „Listen, Schmerzen und doppeltes Glück: 7 Dinge, die in der zweiten Schwangerschaft anders sind“

  1. Hallo, du hast wieder sehr schön geschrieben, was alles so passiert. Und ja die zweite Schwangerschaft ist anders, so wie jedes Kind anders ist.
    Was auch immer du tust, es ist dein Weg und dieser ist richtig. Ich wollte auch vorallem vor der Geburt alles richtig planen, da ich ja auch ein Kindergartenkind schon habe. Aber vielleicht ist genau die Geburt so besonders, weil wir sie nicht planen können. Gehe mit Mut hin und rede zu dir und deinem Baby, dass es jetzt Zeit ist und ihr euch auf die Geburt „entspannt “ einlassen könnt. Hör auf Dich und dein Herz und auf deine Hebamme. Lg

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