Plötzlich Rockstar – aus dem Leben einer Mutter mit Kleinkind

„Genießt die Ruhe“, sagten sie. „Kostet den Urlaub noch einmal richtig aus“, sagten sie. Ich sehe sie noch vor mir. In einem Café in Riva am Gardasee: ein Pärchen, Anfang dreißig, in ihrer Mitte ein braungelocktes Kleinkind. Ich war im siebten Monat schwanger und so ungeduldig vor Vorfreude auf unser kleines, liebliches Baby, dass ich am liebsten sofort entbunden hätte.

Wir lachten damals. „Ja, ja“, sagten wir . Wird schon nicht so arg werden, dachten wir.

Heute weiß ich: wir waren so naiv.

Hier die ungeschönte Wahrheit: Seit September 2016 habe ich noch KEINE Nacht durchgeschlafen. Keine. Einzige. Klar, am Anfang brauchen sie ihre Milch, Nähe, haben noch keinen Rhythmus. Ab und zu höre ich von Eltern, dass ihr Baby „sooo fein durchschläft“ – sagen wir von abends um elf bis morgens um sechs. WTF? Was sind das für Kinder? Wo kriegt man die her? Alisa wacht heute noch mindestens zweimal nachts auf, möchte trinken, ihr Kuscheltier oder einfach die Mama. Hin und wieder auch aufstehen und spielen, das sind die traurigeren Nächte. Aber hey, es ist mein Kind, ich liebe es!

Es ist nur einfach manchmal anstrengend. Das liegt auch gar nicht immer nur an der Kleinen. Selbst in einer der beiden Nächte, in denen unser Kind bei den Großeltern geschlafen hat, war ich wach. Vermute, innerer Mutter-Radar. Kurioserweise war ich nämlich genau zu den Zeiten munter, in denen Alisa nach Aussagen ihrer Oma ebenfalls wach gewesen sei. Ist das das imaginäre Band, die unsichtbare Nabelschnur, von der Mütter berichten?

Fakt ist: Wenn du Kinder hast, ist es vorbei mit dem Schönheitsschlaf. Müdigkeit wird dein treuer Begleiter, Augenringe deine tägliche Zier. Ich hätte sie sehen können, unter den Augen des Pärchens in Riva. Ich wollte es nicht.

Egal, egal. Man gewöhnt sich daran. Unser Körper ist glücklicherweise erstaunlich robust, der steckt das weg. Nicht nur den Schlafmangel. Seit Alisa ihren Kopf selbst halten kann (und das können Babys überraschend früh), ist sie mir mit schmerzhafter Regelmäßigkeit mit ebendiesem auf meine Nase gedonnert. Seit dem siebten oder achten Mal knirscht es, wenn ich mir die Nase putze. Ab und zu kommt Blut. Ist sie gebrochen? Gut möglich. Aber hey, was soll’s, es ist mein Kind, ich liebe es!

Zu meinem ersten „Muttertag“, im Mai 2017, hat meine Mutter mir einen Spruch geschenkt, fein verpackt in einem silbernen Rahmen:

„Mütter sind wie Rockstars.

Sie machen die Nächte durch….

Ihre Fans wollen zu ihnen ins Bett…

Überall wo sie sind, begleitet sie lautes Geschrei…

Verschwitzt? Frisur kaputt? EGAL –

The Show must go on!“

Ein Zeichen der Anerkennung. Des Zuspruchs. Allen Müttern geht es so. Vielleicht auch ein Zeichen für „Siehste mal, wie‘s mir immer ging.“ Mutti, du hast recht. Bevor man Kinder hat, hat man ja keine Ahnung, was Mütter (und Väter!) täglich leisten.

Das ist schon kräftezehrend, wenn man gesund ist. Doch wehe, man wird krank. Und das wird man spätestens ab Kinderkrippenalter regelmäßig. Letztens wieder Magen-Darm-Infekt gehabt. Kind wollte spielen, ich musste speien. Keine schöne Kombination. Zumal man das Kind ja beruhigen muss. Der Mama geht es gut, mein Schatz, keine Angst, mein Schatz, das wird schon wieder. Mama muss heute rückwärts essen.

Jetzt klingt das, als würde ich jammern. Klingt nicht nur so, ich geb‘s ja zu. Aber gibt gar keinen Grund! Meine Tochter ist einer der wenigen Bereiche in meinem Leben, mit denen ich so richtig glücklich bin. Klar ist sie manchmal anstrengend und der Alltag erfordert viel mehr Organisation und Planung. Aber erstens liebe ich ja Regelmäßigkeit und Struktur. 🙂 Und zweitens wüsste ich gar nicht, was ich ohne sie machen würde. Sie bringt mich zum Lachen. Sie ist mindestens genauso oft für mich da, wie ich für sie. Und sie lehrt mich, dass man jemanden auch dann von ganzem Herzen lieben kann, obwohl er gerade mit einer offenen Packung Mehl durch die Wohnung gerannt ist.

Das hat uns das Pärchen in dem Café am Gardasee nämlich nicht gesagt. Dass ein Kind auch unglaublich glücklich macht.

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