Das beste Geschenk zum Muttertag

Jedes Jahr die gleiche Frage –was schenkt man der Mutter zum Muttertag? Blumen! Rufen die einen. Pralinen! Kaufen die anderen. Zeit! Sind sich alle einig. Und die Mutter –freut sich über alles. Was aber lässt das Mutterherz wirklich höher schlagen? Jenseits von Grünzeug und Süßkram muss doch auch eine Mutter verborgene Wünsche haben…

Nun, ich bin ja noch nicht lange Mutter. Im Vergleich zu anderen total unerfahren, eine „Azubi-Mutter“ sozusagen. Mein Kind ist noch nicht in einem Alter, in dem es Überlegungen anstellt, was es mir schenken könnte. Ich bin schon froh, wenn es gerade keine Überlegungen anstellt, was es wieder anstellen könnte. Und doch habe ich eine leise Ahnung, was Mütter – ob jung oder alt, erfahren oder nicht – sich von ihren Kindern wünschen könnten.

Heute Morgen herrschte zuhause mal wieder das reinste Chaos. Die Wohnung sah aus wie ein Affenstall, überall rollten Spielzeugautos und piksten Legosteine, das Bad musste dringend geputzt werden, die Küche sowieso und auf den Wohnzimmerschränken kulminierte der Staub zu flauschigen Türmchen. Und immer, wenn ich einen Chaosherd eliminiert hatte, verursachte meine Tochter an anderer Stelle einen neuen. In einem Haushalt mit Kindern ist Unordnung eine Hydra!

Obendrein hatte ich Zeitdruck, weil ich um neun Uhr im Blumenladen sein wollte, um die bestellten Sträuße abzuholen. Danach zu den Müttern, kurz Tanken und rechtzeitig wieder heim, um Mittagessen zu kochen und das müde Kind hinzulegen. Puh.

Ich war genervt und verärgert, weil ich, an meinem Mutter-Ehrentag!, putzen, kochen, einkaufen und all die niederen Sachen machen musste, die man als Mutter eben so tagtäglich macht. Und noch nicht einmal Blumen bekomme! (Mein Freund muss arbeiten, nur zur Erklärung, warum er mir nicht hilft.)

Und dann, ich saß gerade im Auto und war auf dem Weg zurück nach Hause, sah ich sie.

Unscheinbar am Straßenrand, abgehetzt, die Haare lose zum Zopf gebunden, bepackt mit Einkaufstüten und einem Baby vor der Brust: eine Mutter.

Jung noch, wie ich. Auch müde, auch erschöpft. Aber ihr Blick! Liebevoll. Zufrieden. In der kurzen Sekunde, in der mein Auto an ihr vorbeifuhr, küsste sie ihr Kind auf den Kopf und schien so glücklich und genügsam, dass ich mich beinahe schämte, wie undankbar ich war.

Denn neben mir saß mein wunderschönes, gesundes, fröhliches, liebes Kind. Mein Baby, mein Wunschkind, mein Leben. Das, wofür sich alles lohnt. Für das ich töten würde. Hungern würde. Sterben würde!

Ein Lächeln von meiner Tochter ist mehr wert als alle Rosensträuße, Pralinenschachteln und Wellness-Gutscheine zusammen. Es gibt NICHTS, was ich nicht tun würde, um mein Kind glücklich zu sehen. Von daher ist es mir komplett egal, was sie mir in ein paar Jahren zum Muttertag schenken wird. Ich freue mich über jedes selbstgemalte Bild, jedes gepflückte Blümchen, jedes Foto und jeden noch so verbrannten Kuchen – solange ich dabei ein Strahlen in ihrem Gesichtchen sehe, ein Lächeln, das mir zeigt, dass sie gern meine Tochter ist.

Vor ein paar Tagen haben wir Mütter vom Kindergarten ein Geschenk bekommen, ein Foto unseres Kindes, geklebt auf einen bunt bemalten Pappteller, versehen mit einem Gedicht:

„Du solltest etwas Besonderes haben,

kostbarer als alle anderen Gaben.

Hier steht es schon für dich bereit.

Mach die Arme auf, ganz weit.

Dann flieg ich dir entgegen –

Schnell, wie der Wind.

Umarm mich fest, denn das Geschenk

Bin ich – dein Kind.“

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