Eingewöhnung in die Kinderkrippe – so war der Kita-Start für uns

Irgendwann ist es soweit. Das Kind muss in den Kindergarten. Beziehungsweise in die Krippe. Früher war die „Eingewöhnung“ ja eine ziemlich simple Angelegenheit. Es gab nämlich keine. Kind abgeben, Küsschen und Tschüss.

Heute ist das anders. Heute gibt es Eingewöhnungsphasen, in denen sich die Kinder schrittweise an die Betreuung in der Kindertagesstätte und das Getrenntsein von den Eltern gewöhnen sollen. In unserer Kita läuft die Eingewöhnung nach dem sogenannten Berliner Modell.

Es basiert auf Erkenntnissen der Bindungs- und Hirnforschung und geht davon aus, dass das Kind nur dann eine sichere Bindung zu einer bis dahin fremden Betreuungsperson (also einer Erzieherin oder einem Erzieher) aufbauen kann, wenn es von der Mutter, dem Vater oder einer anderen festen Bezugsperson begleitet wird.

Heißt: Ich oder der Papa sind in den ersten drei Krippentagen gemeinsam mit Alisa in der Gruppe. Wir sind der sichere Hafen, von dem aus sie die anderen Kinder kennenlernen und eine Bindung zur Erzieherin aufbauen kann. Am vierten Tag wird ein erster Trennungsversuch durchgeführt, bei dem sie für kurze Zeit allein in der Gruppe bleibt. Je nachdem, wie gut das klappt, wird dieser Zeitraum sukzessive ausgedehnt, bis sie schließlich die Mahlzeiten ohne Eltern gemeinsam mit der Gruppe einnimmt und – der letzte Schritt – auch den Mittagsschlaf in der Kita hält. Erfolgreich abgeschlossen gilt die Eingewöhnung, wenn sich die Kleine von der Erzieherin trösten lässt und danach wieder neugierig und aktiv spielt, gemeinsam mit den anderen Kindern isst und sich wickeln und schlafen legen lässt.

So weit die Theorie.

In der Praxis drehte sich mir schon der Magen um, wenn ich nur an den Start der Eingewöhnung dachte! Mein B-A-B-Y! Soll von einem fremden Menschen getröstet, gefüttert, geknuddelt, gewickelt und schlafen gelegt werden. Noch schlimmer als mein Kontrollverlust war die Tatsache, dass ich noch nie längere Zeit von meinem Kind getrennt war und es fürchterlich vermissen würde.

Ich denke sowieso, dass bei den meisten Eingewöhnungen nicht die Kinder das Problem sind, sondern die Eltern, insbesondere die Mütter. Loslassen lernen! Mal wieder.

Vor der eigentlichen Eingewöhnung gingen wir mit Alisa zu einem offenen Kita-Spielnachmittag, währenddessen sie bereits einige der anderen Kinder aus ihrer Gruppe und die Krippenerzieherin kennen lernen konnte. Lief prima, meine Anspannung vor dem Krippenstart aber blieb.

Zwei Wochen später dann Tag X. Ich war so nervös! Als ob ich selbst das neue Kind in der Gruppe wäre. Alisa hingegen war relativ entspannt. Zumindest solange sie mich sehen und sich an meinem Bein festhalten oder auf meinen Schoß klettern konnte. Allein spielen wollte sie nicht. Puh, das konnte was werden.

In den nächsten beiden Tagen wurde es ein bisschen besser, sie interessierte sich mehr und mehr für die Spielsachen und die anderen Kinder und ließ sich sogar ab und an von der Erzieherin hochnehmen. Dann kam Tag vier. Irgendwie spürte Alisa schon beim Anziehen zuhause, dass etwas neues passieren würde. Vielleicht strahlte ich meine Unsicherheit aber auch nur zu offensichtlich aus. In der Kita wollte sie sich dann nicht ausziehen lassen geschweige denn ins Gruppenzimmer gehen. Na super. Ich blieb etwa eine halbe Stunde mit im Zimmer, in der sie auch relativ schön und unabhängig spielte und verabschiedete mich dann von ihr. Mama kommt gleich zurück, Küsschen Küsschen, winke winke. Und raus.

Die Erzieherin hatte mir vorher eingebläut, dass eine Verabschiedung sehr wichtig sei, aber nicht zu arg in die Länge gezogen werden sollte. Und dass ich besser komplett gehen und nicht vor der Tür warten sollte, weil mich das Weinen meines Kindes sonst dazu verleiten könnte, direkt wieder reinzukommen. Ich ging also aus der Tür, das herzzerreisende „Maammaaa“ meiner Tochter in den Ohren, ihr Weinen, ihren Schmerz in meinem Herzen und stolperte die Treppen hinab. Raus! Zum Auto, irgendwohin einkaufen fahren. Hauptsache ablenken. Scheiß Tag.

Aber ich habe nicht geweint! Ich war traurig und nachdenklich, aber irgendwie nicht so aufgelöst, wie ich es gedacht hätte. Ist das komisch? Sollten Mütter weinen, wenn sie ihr Kind zurücklassen? War verwirrt wegen meiner fehlenden Tränen. Habe Blödsinn gekauft und Spielzeug für Alisa. Musste irgendwie die 30 Minuten Trennung überbrücken.

Als ich zurückkam, saß Alisa mit den anderen Kindern am Tisch, es gab Apfel. Sie hatte mich noch nicht gesehen und war immer noch ganz tief drin in ihrem Schmerz. Sie setzte gerade wieder an zum Schluchzen, „Maaaa…“, dann erblickte sie mich. „Mamaaaaa!“

Weinend und fröhlich zugleich wurstelte sie sich von ihrem Stühlchen und stolperte zu mir. Meine Tochter. Ich nahm sie ganz fest in den Arm, tröstend, sie und auch ein bisschen mich. Sog den Duft ihres Haares in mich auf, küsste ihr Gesicht, strich ihr die Tränchen von den Wangen. „Und genau das muss und wird sie lernen“, sagte die Erzieherin, „dass Sie immer wiederkommen.“

Anscheinend hatte sie das bereits nach dem ersten Mal begriffen, denn schon an Tag fünf weinte sie zwar auch, als ich fortging, aber nur ganz kurz und ließ sich schnell beruhigen. Die Erzieherin war sehr zufrieden und schlug vor, die Trennungszeit ab der kommenden Woche etwas auszuweiten. Die Eingewöhnung lief hervorragend und ich war mächtig stolz auf mein tapferes Mädchen.

Dann der Rückschlag: Alisa hatte sich wohl im Kindergarten die Grippe eingefangen und konnte die kommende Woche überhaupt nicht in die Kita. Wir mussten quasi von vorn anfangen. Dazu kam, dass ihre vertraute Erzieherin in der folgenden Woche drei Tage nicht da war und Alisa von einer fast fremden Betreuerin weiter eingewöhnt werden musste. Und – für mich das schwierigste an der Sache – ich konnte nicht mehr dabei sein. Ich musste wieder arbeiten. Also übernahm der Papa die restliche Eingewöhnung und mir blieb nichts anderes übrig, als mir Bericht erstatten zu lassen.

Glücklicherweise lief (trotzdem) alles wie am Schnürchen, Alisa weinte immer weniger und immer kürzer und freute sich am Nachmittag tierisch, mich wiederzusehen. Heute nun hat sie das erste Mal in der Kita Mittagsschlaf gemacht und, was soll ich sagen, auch das hat prima funktioniert. Die Eingewöhnung ist damit abgeschlossen. Alisa ist offiziell Kinderkrippenkind.

Und ich? Kann mich immer noch nicht daran gewöhnen, mein Baby mehrere Stunden am Tag nicht um mich zu haben. Bei neuen, lustigen, einschneidenden Erlebnissen nicht dabei zu sein. Mir von der Erzieherin erzählen zu lassen, wie der Tag meines Kindes war. Nicht schön. Warum nochmal darf ich als Mutter nicht einfach nur Hausfrau sein? Ach ja…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s