Weder Fisch noch Fleisch – unser veganes Weihnachten

An Heiligabend gibt es in meiner Familie ja traditionell Gans mit Klößen und Rotkohl. Ein klassisches Weihnachtsessen, das meiner Mutter und meinem Vater heilig ist. Ihr könnt euch vorstellen, wie sie reagiert haben, als ich keine Gans mehr essen mochte. „Wie, aber es ist doch Weihnachten!“ „Du isst doch schon das ganze Jahr kein Fleisch, da kannst du doch zumindest an Heiligabend eine Ausnahme machen!“ Klar, wer erwartet zum Fest der Liebe schon Mitgefühl. In meinem ersten Jahr als Vegetarierin habe ich ihnen sogar den Gefallen getan und meine ethischen Vorbehalte zusammen mit der Gänsekeule runtergeschluckt. Ich wollte, dass alle ein frohes Fest hatten. 

Danach war ich satt, aber nicht zufrieden. Ich fühlte mich schlecht. Als hätte ich einen Verrat begangen. An der Gans. Und an mir selbst. Als würde ich Wasser predigen, aber Wein trinken. Ich bin aus Mitgefühl Vegetarierin und später Veganerin geworden. Und ist es nicht das, worum es an Weihnachten geht? Um Nächstenliebe? Und die hört für mich nicht beim Tischnachbarn auf, sondern schließt alle ein. Lebewesen. Ich will nicht, dass wegen mir (oder für mich) eine Gans oder irgendein anderes Tier zerstückelt und gekocht wird.

Überhaupt wird doch um das Essen an Weihnachten ein riesengroßes Brimborium gemacht, findet ihr nicht auch?  Da wird gebraten, gekocht und gebacken was das Zeug hält, als käme das Christkind persönlich zum Dinner. Jede Familie hat ihre eigene Tradition und wehe, jemand schert aus. Bei den einen gibt es Gans, bei den anderen Ente, wieder andere essen Wild (!), manche Fisch und mein Onkel isst Würstchen mit Kartoffelsalat. Alles ok, jeder wie er es mag.

Ich liebe auch Traditionen. Wir wollen halt nicht, dass sich an unseren liebgewonnenen  Ritualen etwas ändert. Aber manchmal ist es einfach an der Zeit für Neues. Deshalb läuft es bei uns mittlerweile so, dass meine Mutter die Gans zubereitet und ich etwas Alternatives mitbringe.

Einmal war das zum Beispiel ein Nussbraten, der zwar geschmacklich ganz gut war, aber in der Vorbereitung hundert Stunden gedauert hat und im Magen lag wie ein Wackerstein. Letztes Jahr habe ich Gulasch aus Sojageschnetzeltem gekocht, „nach Hausfrauenart“. Uäh, mich schüttelt es jetzt noch. Um Welten besser waren die Kohlrabischnitzel meiner Oma, die sie uns noch schnell gebraten hat.

Dieses Jahr versuche ich es mit Linsenbraten im Blätterteigmantel und als Dessert gibt es Schwarzwälderkirschtörtchen und selbstgemachte Schoko-Trüffel. Den Linsenbraten habe ich vorsichtshalber sogar probegekocht, um unangenehme Überraschungen wie in den Jahren zuvor zu vermeiden. Schmeckt echt nicht schlecht. Die Linsen liefern viel Eisen und Proteine und man fühlt sich danach nicht wie einschlafen. Aber an den Geschmack und den Geruch von gebratener Gans mit Beifuß und Orangen kommt auch der leider nicht ran.

Aber das ist vielleicht auch einfach so, weil ich damit Kindheit verbinde. Das Essen erinnert mich an all die zauberhaften Weihnachten, die ich mit meinem Bruder, meinen Eltern und meinen Großeltern erlebt habe. An meinen Opa, der schon lange nicht mehr mit am Tisch sitzt. An die Vorfreude auf die Geschenke und die Aufregung wegen dem Weihnachtsmann. An das Herzklopfen, wenn es dreimal laut an die Tür pochte. An die Spaziergänge in der heiligen Nacht, bei denen uns unser Vater den Nachthimmel erklärt hat und ich mir angesichts der unfassbaren Zahl an Sternen und Galaxien da oben so wahnsinnig klein und unbedeutend und – BESCHÜTZT vorkam. An die Geborgenheit, die ich fühlte.

Ich wünsche, dass auch mein Kind sich eines Tages gern an Weihnachten erinnert. Und an das Essen. 😀 Wobei, letztlich ist es doch egal, WAS auf den Tisch kommt. Wichtig ist, mit WEM wir zusammensitzen. Und dass das unsere Liebsten sind.

Wie läuft Weihnachten bei euch ab? Spannend finde ich auch, was es zu essen gibt? Könntet ihr euch ein Weihnachtsfest ohne Fleisch vorstellen?

Ich wünsche euch zauberhafte und friedliche Weihnachten mit ganz viel leckerem Essen, guten Gesprächen, überraschenden Geschenken und viel, viel Liebe!

Bis bald!

Ho ho ho…

Annemarie

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