Knopfbatterie verschluckt – ein Fall für die Notaufnahme!

Ein Kind im Krabbelalter zu haben ist ungefähr so, als hätte man einen Affen im Haus. In allen Zimmern herrscht Chaos, überall liegt Essen rum und ständig Gekreische. Mit ungefähr zehn Monaten hat meine Tochter gelernt, dass sie nicht unbedingt Mama oder Papa braucht, um ein Ziel zu erreichen. Sondern dass sie das auch alleine kann. Ihr erster Schritt in Richtung Selbständigkeit begann im Sitzen. 

Alisa krabbelt nämlich nicht. Sie schlittert. Auf dem Po, durch die komplette Wohnung.

Wie ein hyperaktives Schimpansen-Junges rutscht sie auf ihrem kleinen süßen Hintern vom Wohnzimmer in die Küche, von der Küche ins Bad, vom Bad ins Kinderzimmer und vom Kinderzimmer ins Wohnzimmer und wieder von vorn. Zwischendrin hält sie an, um sich irgendworan hochzuziehen (Stehen ist mittlerweile nämlich auch voll cool) oder um sich etwas in den Mund zu stecken.

Und weil sie das nicht soll, renne ich ihr den ganzen Tag hinterher. Sie soll ihren Forschungsdrang ja ausleben. Aber nicht daran ersticken.

Neulich Panik-Situation.

Wir kamen gerade vom Kinderarzt (U6) und ich wollte schnell Mittagessen kochen, weil Alisa sehr, sehr übellaunig werden kann, wenn sie hungrig ist. Was nicht heißt, dass sie gut und viel isst, im Gegenteil. Aber WENN sie einmal hungrig ist, dann muss es flott gehen. Ich also zack, zack die Töpfe auf den Herd gestellt und Alisa mit (ungefährlichen) Küchenutensilien bei Laune gehalten. Sie hat auch toll gespielt, Schränke ausgeräumt und Chaos veranstaltet und so, also huschte ich kurz ins Vorratszimmer.

Als ich wiederkam, hatte sie irgendetwas im Mund. In der Hand den Autoschlüssel. Daran baumelte – kaputt und zerbissen – mein Schlüsselanhänger: ein kleines rotes Herz, das beim Draufdrücken leuchtete.

Und im Mund meiner Tochter: eine kleine, runde Knopfbatterie. Ach du Schande!

Ich fummelte ihr das Ding von der Zunge und nahm ihr den Schlüssel aus der Hand. Puh, gerade nochmal Glück gehabt. Nicht auszudenken, wenn sie die Batterie verschluckt hä… Hä? Hatte das Herz ZWEI Batterien?

Um Himmels Willen!! Ich wieder hin zu Alisa, in ihre Händchen geschaut, ihren Mund, ihren Body – nichts. Den Küchenboden abgesucht. Die Küchenschränke. Unter den Küchenschränken. Den Staubsaugerroboter losgeschickt und den Schmutzbehälter durchwühlt. Auch nichts. Urks. Sie hat sie verschluckt!

Völlig aufgelöst rief ich meine Kinderärztin an, die mich natürlich anwies, sofort in die Notaufnahme zu fahren. Ein verschluckter Gegenstand ist an sich zwar erstmal nicht schlimm – eine Batterie allerdings schon. Kommt sie innerhalb von 48 Stunden nämlich nicht auf natürlichem Weg wieder ans Tageslicht, besteht die Gefahr, dass die Magensäure das Gehäuse korrodiert und hochgiftige Batteriesäure austritt.

Das Risiko wollte ich auf keinen Fall eingehen! Also packte ich mein Kind, alarmierte in meiner Panik noch meine Mutter und fuhr los. Während ich schweißüberströmt über die Autobahn raste, giggelte Alisa fröhlich auf dem Rücksitz und freute sich, dass die Oma neben ihr saß. Wenigstens hatte sie sich an der Batterie nicht verschluckt!

Im Krankenhaus warteten wir zusammen mit einer asiatischen Großfamilie auf einen Arzt. Der asiatische Junge hatte irgendetwas am Arm, schien aber wohlauf zu sein. Wehe, die kommen eher dran als wir. Wir haben schließlich einen echten Notfall!

Als wir dann endlich in einem Behandlungszimmer saßen und von der Kinderärztin mit tschechischem Akzent über die Risiken des Röntgens bei Kleinkindern aufgeklärt wurden (jetzt muss sie auch noch geröntgt werden! Ich war kurz davor, in Tränen auszubrechen), setzte ich Alisa auf die Liege und machte sie frei, damit die Ärztin sie abhören konnte. Herztöne ok, bitte mal die Windel abmachen (oder so ähnlich, hab nicht jedes Wort verstanden). Als ich gerade an den Klettverschlüsseln nestelte, fuhr die Ärztin auf einmal auf und hielt mir irgendetwas entgegen. „Hierrr! Hierrr!“ Oh mein Gott! Ich habe es gar nicht gleich gecheckt. Erst als meine Mutter sich auch noch empörte, begriff ich, dass die Ärztin mir eine Knopfbatterie entgegenhielt.

Oh danke, lieber Gott! Sie war in der Windel! Durch den Body gerutscht und in der Windel gelandet. Keine Magen-Darm-Passage, alles nur äußerlich. Ich hatte sie schlicht übersehen. Denn ich hatte zwar den Body durchsucht, nicht aber die Windel. Ich kam mir so, so bescheuert vor! Nun heulte ich wirklich. Vor Erleichterung und weil ich mich in Grund und Boden schämte. Vor der tschechischen Ärztin, vor meiner Mutter, vor der asiatischen Großfamilie und überhaupt vor der ganzen Welt. Ich bin die wohl dämlichste Mutter des Jahrhunderts!

Ich habe die Ärztin noch gefragt, wie man in so einem Fall denn nun tatsächlich verfahren würde. Verschluckt ein Kind eine Batterie oder etwas ähnlich Gefährliches, wird zunächst mindestens 48 Stunden abgewartet. In der Zeit müssen die Eltern akribisch den Stuhlgang des Kindes kontrollieren. Wenn keiner kommt, wird mit Abführmittel nachgeholfen. Meist erledigt sich das Problem von selbst. Wenn nicht, muss je nach Lage des Gegenstandes operiert oder der Magen ausgepumpt werden. Beides sehr unschön und mit Sicherheit traumatisch für so ein kleines Menschenkind.

Von daher bin ich unglaublich froh, dass ich einfach zu blöd war und das Ding übersehen habe. Denn lieber so als anders. Lieber umsonst in die Notaufnahme gefahren, als zuhause geblieben und einen echten Notfall riskiert!

Gut, beim nächsten Mal suche ich das ganze Kind ab und nicht nur die Kleidung. Aber aus Fehlern lernt man. Und Schlüsselanhänger mit Knopfbatterien kommen mir garantiert nicht mehr ins Haus!

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