Süße Kätzchen und brutales Gemetzel

Ich mag meine Katzen. Wirklich, sehr. Sie bekommen sogar Fleisch aus echten toten Tieren. Aber manchmal, manchmal machen sie mich fertig.

Wenn sie mein Abendbrot fressen.

Wenn sie die Zimmerpflanzen bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln. (Fleischfresser halt, die HASSEN Pflanzen!)

Wenn sie ins Laufgitter kacken.

Wenn sie mir, besonders wenn ich etwas Schweres transportiere, penetrant um die Füße schleichen.

Wenn sie überall ihre Haare liegen lassen.

Wenn sie ihre Krallen an meinem Sofa schärfen.

Wenn sie genau dann anfangen zu maunzen, wenn ich mich auf Zehenspitzen aus dem Kinderzimmer schleiche, so geräuschlos wie möglich hinaustripple und die Tür hauchzart hinter mir schlie… MAUUUUU! Miauuuuuu! Da könnte ich sie zum Mond schießen! 

Trotzdem liebe ich sie. Diese durchgeknallten Fellmonster. Wir sind gerade dabei, sie „auszuwildern“. Wir lassen unsere verhätschelten Stubentiger jetzt öfters nach draußen. Das heißt, wir eröffnen ihnen die Möglichkeit, freiwillig den Weg in die freie Natur anzutreten. Bei Mia klappt das ganz gut, die ist draufgängerisch und abenteuerlustig. Kitty hingegen chillt den lieben langen Tag in ihrer Sofaecke und guckt die Wohnungstür mit dem Allerwertesten nicht an.

Außer letzten Samstag. Da war schönes Wetter, nicht zu warm, nicht zu kalt, kein Regen, kaum Wind – anscheinend perfekt für Madame, um sich auch mal in den Hof zu bequemen. Prima, dachten wir, da habt mal viel Spaß! Und gingen fort.

Konnte ja keiner ahnen, dass die beiden einen ausgeklügelten Plan bezüglich des Vogelnests im Kirschbaum ausgeheckt hatten.

Als wir wiederkamen, hockten sie friedlich im Wohnzimmer und leckten ihre Pfötchen. Awww, so süß, schau nur wie lieb sie auf uns gewartet haben. Ich setzte das Baby in den Flur, um meine Jacke auszuziehen und – wo kommen denn diese kleinen Härchen hier her? So grau und…klebrig. Moment mal, sind das Federn? Und – ist das BLUT??

Ich, mit halb ausgezogener Jacke, mein Kind geschnappt und ins Schlafzimmer gepackt. Hier, der Sockenkasten, spiel fein.

Dann Flur inspiziert. Tatsächlich, überall Federn. Kleine, graue Flaumfederchen. Auf den Fließen rote Spritzer und Schlieren, bis zur Badtür – wo ein Haufen Erbrochenes lag, aus dem noch Teile des Vogelkopfes und halbverdaute Flügel ragten.

Ich habe ja letztens noch großspurig getönt, wie Ekel-resistent ich geworden bin. Vergesst es. DAS war der Horror. Ich bin ja nicht zum Spaß Veganer geworden. Sondern weil ich tote Tiere nicht abkann.

Und jetzt das! Totes Tier wohin das Auge blickt. Diese Mörderkatzen! Das war für mich ein echtes Dilemma.

Unter Aufbietung aller Kräfte entfernte ich den wiedergekäuten Vogel-Haufen und wischte und schrubbte den Wohnungsflur mit Desinfekionslösung. Zweimal, das Blut klebte hartnäckig an den Fliesen. So eine Sauerei! Dass sie ihrem natürlichem Trieb zum Jagen nachgegangen sind, ist ja schön und gut. Aber musste der Todeskampf IN unserer Wohnung stattfinden? Heute noch wirbeln mir im Flur Flaumfedern entgegen.

Aber ich liebe meine Katzen mehr als potenzielle (tote) Vögel in der Wohnung, von daher muss ich da wohl durch. Wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Manchmal muss auch jemand wie ich aus seiner rosaroten Veganer-Welt aufwachen. Und sei es, damit mir immer mal wieder vor Augen geführt wird, dass Fleisch nicht im Supermarkt wächst.

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