Kindeswohlgefährdung – Vegane Ernährung nur für Erwachsene!

Weil ich immer wieder gefragt werde, ob wir auch unser Kind vegan ernähren und warum und wieso und weshalb, ist es mal wieder an der Zeit für einen Grundsatzartikel. Vegan ist ungesund. Es ist unverantwortlich, Kindern Fleisch und Milch vorzuenthalten, Veganer leiden alle an Mangelernährung und wenn man schon selbst keine Tiere essen mag, soll man doch wenigstens seine Kinder aus dem Spiel lassen. Die können schließlich noch nicht selbst entscheiden und sind ihren Eltern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

Nun ist es ja so, dass die allermeisten Eltern ihren Kindern nichts Schlechtes wollen. Gerade was die Ernährung angeht, sind wir bedachter und kritischer als bei uns selbst und versuchen, so viele Vitamine und Nährstoffe wie möglich in die kleinen Körper hineinzuschaufeln. Auch Veganer-Eltern haben es sich entgegen der landläufigen Meinung nicht zum Ziel gesetzt, ihren Kindern aufgrund ihrer Überzeugung zu schaden. Bei aller Liebe, Tiere liegen mir am Herzen – aber nicht mehr als mein Kind!

Nein, wir haben uns für eine vegane Ernährung entschieden, weil es uns aus gesundheitlicher, ethischer, umweltbewusster und humanitärer Sicht am logischsten und richtigsten erschien. Und warum sollten wir unser Kind entgegen unserem Wissen und Glauben anders behandeln als uns selbst?

Die Gründe für eine vegane Ernährung liegen auf der Hand. Es ist kein Geheimnis mehr, dass Tiere in Massenproduktionsanlagen leiden. Dass auch für Milch und Käse Tiere gequält, gefoltert und getötet werden. Dass Fleisch krebserregend ist und tierische Produkte Ursache einer Vielzahl an „Zivilisationskrankheiten“ sind. Dass Kinder in Afrika verhungern, weil wir ihr Essen an unser Essen verfüttern. Dass wir durch Regenwaldabholzung, Monokulturen, einseitige Landwirtschaft und Ausbeutung und Verschmutzung der Meere unsere Erde schleichend zugrunde richten.

Und trotzdem sind die Veganer die Bösen. Vegan sei „zu extrem“. Klar. Eine Kuh bei vollem Bewusstsein an den Hinterbeinen aufzuhängen, ihr die Kehle aufzuschlitzen oder ein Schwein zu zerteilen, zu schreddern, die Pampe in den Darm zu pressen und das widerliche Schlamassel dann auch noch zu essen, ist natürlich ok. Aber Veganer sind extrem!

Ich weiß auch, warum die Leute denken, vegan sei ungesund. Weil einige Medien und zitierte Ärzte Veganismus als unnatürlich und defizitär darstellen. Und wieso? Weil es um eine ganze Menge Geld geht. Allein die Milchindustrie investiert pro Jahr 500 Millionen Euro (500.000.000!) in Werbung. Schulhofkampagnen, TV- und Radio-Spots, Bushaltestellenplakate, Zeitungsartikel, Veganer-Bashing, solche Sachen. Schon mal Werbung für Obst gesehen? Nein. Wenn dann in Form von Lachgummis und Fruchtzwergen. Aber mit „Kauft Birnen!“ macht man halt keinen so großen Umsatz.

Und was die zitierten „Experten“ angeht: Da werden Aussagen entstellt und aus dem Kontext gerissen. Es werden Horror-Beispiele angeführt, wo Kinder nur mit Nüssen oder Rohkost ernährt wurden, und diese als Beleg für die Kindeswohlgefährdung durch vegane Ernährung gewertet. Oder es kommen Ärzte zu Wort, die von der Lebensmittelindustrie finanziert werden. Es gibt zum Beispiel ein Grundsatzpapier zum Thema Säuglingsnahrung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), in dem Experten empfehlen, zum Beikoststart von Säuglingen Milch- und Fleischbreie zu füttern. Der Interessenkonflikt hierbei: sechs von zehn Experten wurden direkt von Herstellern von Säuglingsnahrung (Danone, Hipp, Nestlé, etc.) finanziert*.

Fakt ist auch, dass sich mit Anti-Veganismus-Artikeln viele Klicks generieren lassen. Nimm eine reißerische Überschrift („Die schlimmste Folge von veganer Ernährung ist der Tod“) und die Leute klicken und teilen und kommentieren was das Zeug hält. Wahrheitsgehalt irrelevant.

Wobei diese Überschrift ja nicht mal gelogen ist. Aber der Tod ist nun mal von ALLEM die schlimmste Folge. Da kann man genauso schreiben, „Die schlimmste Folge von Autofahren ist der Tod“ oder „Die schlimmste Folge vom Kätzchen streicheln ist der Tod“. Komplett sinnlos.

Ich glaube, die meisten Leute sind einfach bequem, wollen an ihren Gewohnheiten festhalten und mit allem in Ruhe gelassen werden. Veganer halten ihnen zwangsläufig den Spiegel vor und verschaffen ihnen Gewissensbisse. Das nervt, aber weil die Argumente fehlen, werden die Veganer eben runtergemacht, beschimpft und in den Dreck gezogen. Kinder als besonders Schutzbedürftige dienen dabei als Instrument, pflanzliche Ernährung als mangelhaft und ungesund zu verteufeln.

Was man ebenso bedenken sollte: Kindern Fleisch zu geben ist auch eine bewusste Entscheidung. Die meisten tun ja so, als sei Veganismus das „Unnormale“ und Karnismus „normal“. Vegane Ernährung muss man begründen, omnivore nicht. Weil Fleisch und Milchprodukte halt „schon immer“ gegessen wurden. Es ist an der Zeit, antiquierte Denkmuster hinter sich zu lassen.

Fazit: Eine vegane Ernährung ist, wenn man sich informiert und auf die kritischen Nährstoffe achtet, NICHT ungesund oder bedenklich. Für niemanden. Nicht für Kinder, nicht für Ältere, nicht für Schwangere, nicht für Sportler, nicht für Bauarbeiter und auch nicht für Landwirtschaftsminister. Es bedarf halt nur eines bisschen mehr Aufwands. Aber hat nicht mal jemand gesagt, das Glück liegt außerhalb der Komfortzone?

 

*Nachzulesen im veganmagazin Ausgabe April 2017
 

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