Pläne ändern sich – Über Liebe und vertane Chancen

Dieser Artikel sollte sich eigentlich darum drehen, wie es sich für eine Mama anfühlt, wenn sie eine Zeit lang von ihrem Baby getrennt ist. Es sollte um Trennungsschmerz gehen, um die imaginäre Nabelschnur und um Mutterliebe, aber auch um Freiheit und Selbstfindung. Tja. Nun sitze ich hier, auf meiner Bank im Wald, neben mir der Kinderwagen, und schaue auf mein Baby, das mit der Sonne um die Wette strahlt. Köln ist weit, weit weg.

Mein Termin ist geplatzt. Also, ich habe ihn platzen lassen. Geplant war, Montagfrüh um 6 Uhr ins Auto zu steigen, nach Köln zu fahren, zwei Nächte dort zu übernachten und dann Mittwoch zurückzukehren. Alisa sollte solange bei der Oma bleiben, die sich extra Urlaub genommen hatte.

Was war passiert?

Ich hatte ja die ganze Zeit schon Bedenken, mein Kind „zurück“ zu lassen. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass ich meiner Mutter das nicht zugetraut hätte. Im Gegenteil. Sie hätte sich rührend um Alisa gekümmert, ich hätte sie wirklich beruhigt bei ihr lassen können. Aber das sagt nur mein Kopf. Mein Herz und mein Bauch und überhaupt jedes anderes fühlende Körperteil haben sich dagegen gesträubt, mein Baby nicht bei mir zu haben. Je näher der Montag rückte, desto deprimierter wurde ich. 

Ich glaube, das kann auch keiner nachvollziehen, der nicht selbst Kinder hat. Die Kleine mal drei Tage zur Oma geben, mein Gott, es gibt Schlimmeres! Sagen die. Für mich ist das aber schlimm! 

Am Tag vor der Abreise ist dann noch etwas passiert, das wohl der Alptraum jedes Elternteils ist: Das Baby ist vom Bett gefallen! Ihr ist nichts passiert, zum Glück! Ich hätte mir trotzdem am liebsten den kleinen Finger abgehackt, weil ich kurz nicht aufgepasst habe. Ich hatte solche Schuldgefühle und sie tat mir so unendlich leid! Ich hätte am liebsten sofort den Notarzt einfliegen lassen. 

Der hätte die Kleine aber auch nur zur Überwachung drei Tage mit ins Krankenhaus genommen. Sie hatte ja keine Platzwunde, hat nicht erbrochen, war nicht apathisch und hat eine Minute danach schon wieder fröhlich gespielt. Trotzdem soll man kleine Babys nach einem Sturz noch 24 Stunden beobachten und bei den geringsten Anzeichen, dass doch etwas passiert sein könnte, sofort ins Krankenhaus bringen.

Und da soll ich einfach so wegfahren? Never! Nachdem ich die halbe Nacht wachgelegen und wieder und wieder kontrolliert habe, ob sie noch atmet, war ich völlig fertig. Hin- und hergerissen zwischen „Alles ist gut, wir fahren!“ und „OH MEIN GOTT wir fahren auf keinen Fall!“ habe ich irgendwann in der dunkelsten Früh meinen Freund geweckt und ihm aufgelöst die Ohren vollgeheult. 

Zum Glück ist mein Freund wie er ist und hat mich getröstet und beruhigt und mir erklärt, dass es völlig in Ordnung ist, wenn wir in Köln absagen und zuhause bleiben. Was ist schon ein Auftritt im Fernsehen gegen das Glück, dieses bezaubernde kleine Baby zu haben?

Oh war ich erleichtert! Ich durfte bei meinem Baby bleiben! Klar, ich habe schon noch gehadert und gegrübelt, ob es gut war, so eine Chance einfach sausen zu lassen. Mache ich auch jetzt noch. Noch gäbe es nämlich die Möglichkeit, nach Köln zu fahren und die Chance zu nutzen. Aber ich weiß nicht, wie ich es anstellen soll. Dalassen kann ich Alisa nicht und mitnehmen geht auch nicht, weil ich jemanden bräuchte, der mitfährt, aber keiner hat Zeit. Also war es das! Es ist bitter, aber nicht zu ändern. Ich weiß ja, wofür ich verzichte. 

Und plötzlich dreht sich der Text doch um Mutterliebe und Selbstfindung. Ich habe wieder etwas über mich gelernt. Erstens: Ich bin eine Glucke. Zweitens: Es gibt jemanden, der mir wichtiger ist, als ich selbst. Und drittens: Ich bin in der Lage, meinem Herzen zu folgen und zu erkennen, was wirklich zählt. Und wenn ich doch wieder grüble und zweifle und trauere um die vertane Chance, schaue ich auf mein strahlendes Baby und weiß: Ich habe alles richtig gemacht!

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