​Flug verpasst! Ein sinnloser Vormittag in Leipzig

Manchmal sind gewisse Vorhaben von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Mit Baby sind Aktionen, die ins Leere laufen, besonders bitter. Ich musste kurzfristig nach Köln und weil die Autofahrt immer so lang ist und beschwerlich, dachte ich, fliegen wir halt. Ab Leipzig, da ist man in gut einer Stunde dort und dann rucki, zucki in Köln. Dafür ist man aber auch nicht so flexibel wie mit dem Auto und muss sich, so ist das nun mal, an die Abflugzeiten der Airline halten.

Normalerweise bin ich ein pünktlicher Mensch. Ich hasse es, Stress zu haben und andere Leute auf mich warten zu lassen. Das ist unhöflich. Aber gestern ist bei meinem Zeitmanagement irgendwie was schief gelaufen. Auch, weil ich noch nicht so erfahren bin, was Baby-bedingte Zeitpuffer angeht.

Der Flug nach Köln geht ab Leipzig nur einmal am Tag, und zwar um 8:15 Uhr. Will man zwei Stunden eher da sein, muss man also dreieinhalb Stunden eher los fahren. Heißt um 4:45 Uhr. Autsch! Das ist krass zeitig, vielleicht reicht es auch, wenn wir nur eine Stunde eher da sind…dachte ich mir. Ich richtete mich also auf eine Abfahrt von dreiviertel sechs ein und stellte den Wecker auf halb fünf. Im Nachhinein weiß ich, das KONNTE nicht gut gehen.

Normalerweise ist Alisa um fünf Uhr wach und bereit, aufzustehen. Gestern hat sie nicht nur das erste Mal seit Langem wieder DURCHGESCHLAFEN, sondern schlief auch viertel sechs noch ruhig und selig. Schließlich musste ich sie doch wecken, schweren Herzens, und ehe wir mit allem fertig waren und abfahrtbereit im Auto saßen, war es tatsächlich schon um sechs. Shit!

Noch schnell meine Mutter abgeholt (einer muss ja aufs Kind aufpassen, während ich bei meinem Termin bin) und ab auf die Autobahn. Lief auch super, kaum Verkehr, keine Baustellen, freie Fahrt. Nach 20 Minuten der Schock – Kontaktlinsen vergessen! Warum ich so blöd war und DESWEGEN nochmal umgekehrt bin, weiß ich immer noch nicht. Hätte ich halt den ganzen Tag Brille getragen! Aber nein, ich wollte Kontaktlinsen!

Die Aktion kostete uns insgesamt 40 Minuten. Das Navi zeigte nun eine Ankunftszeit am Flughafen von 7:46 Uhr. Prima, da sind wir ja noch pünktlich. Vor Leipzig kam dann aber doch noch eine Baustelle, dann habe ich das Parkhaus nicht gleich gefunden und ehe wir unser ganzes Gepäck, Kutsche, Wickeltasche UND Kind ausgeladen hatten und damit am Schalter waren, war es acht Uhr.

Ich, verschwitzt und abgehetzt, zur rothaarigen Frau an Schalter Nummer 2. „Hallo, wir müssen unbedingt noch mit in den Flieger nach Köln!“ Die Rote verzog keine Miene, starrte mich nur verständnislos an. „Das wird nichts mehr, das Boarding ist bereits abgeschlossen.“ „Was, aber es sind noch 15 Minuten!“ „Tut mir leid, ich kann Ihnen da auch nicht helfen.“ Dieses Biest! „Hallo? Ich bin hier mit Baby! Ich MUSS jetzt nach Köln!“ „Das Gate ist zu! Gehen Sie doch zum Ticketing-Schalter von der Lufthansa, vielleicht können die Ihnen helfen.“ Hrmpf. Danke für nichts! Blöde Kuh.

Ich wusste ja bereits, dass nur einmal ein Tag ein Flieger nach Köln geht, und das Boarding für den Flug nach Düsseldorf war auch schon vorbei. Was soll das überhaupt? Ich verstehe ja, dass die mit dem Boarding ein ganzes Stück vor Abflug abfangen, damit die Zeiten eingehalten werden. Aber kann man denn nicht EIN MAL eine Ausnahme machen? Es waren noch 15 Minuten Zeit! Das ist so lang wie drei Werbepausen bei RTL! Da schaffe ich den Haushalt von einem halben Tag inklusive Duschen!

Es nützte alles nichts, es war vorbei. Wir waren zu spät und hatten den Flieger verpasst. Punkt. Schmerzhafte Erkenntnis, aber nichts zu machen. Das war vom Gefühl her ungefähr so, wie früher in der Schule Lateinkontrolle mündlich und MEIN Name stand an der Tafel. Oder gleich ein Vorstellungsgespräch und das Auto springt nicht an. Oder Vortragstermin in der Uni und die Präsentation zuhause vergessen. Schockierend. Peinlich! Und irgendwie nicht zu fassen. So nach dem Motto, das passiert doch jetzt nicht wirklich mir!

Ist es aber, also den ganzen Krempel wieder zurück ins Auto, in Köln anrufen, neuen Termin ausmachen und ab nach Hause. Immerhin war das Wetter toll und wir konnten bei einer Rast auf dem Rückweg noch eine Runde mit dem Kinderwagen drehen. Das hat Alisa mit ihrer Schnupfennase sowieso besser gefallen, als in einem unterkühlten Flugzeug zu sitzen mit Druck auf den Ohren.

Nächste Woche werde ich Alisa dann zuhause lassen, bei der Oma. Das ist zwar bitter und zerreißt mir das Herz, aber besser, als sie noch ein weiteres Mal diesem Stress auszusetzen. Mein armes Baby. So hat sie wenigstens ihre vertraute Umgebung, ihren vertrauten Tagesablauf und die Oma kennt sie ja nun mittlerweile auch gut. Ich denke, sie wird ohne mich besser klar kommen als ich ohne sie…

Dann fahre ich auch wieder mit dem Auto. Und mit meinem Freund. Die zwei Tage als Paar, wie früher, werden unserer Beziehung auch mal ganz gut tun. Und ich werde ausschlafen. Oh ja! Bis um neun, das wird toll! Und dann fahren wir wieder heim und küssen und herzen unser Baby und müssen hoffentlich bis zum Urlaub nirgendwo mehr hin!

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