Meilensteine: Das Baby bekommt Zähnchen!

Große Ereignisse kommen selten allein. Da passiert wochenlang gar nichts und plötzlich alles auf einmal: die erste Reise, die ersten Worte (!), die ersten Zähne. Mit dem Brabbeln fing es an. Von einem Tag auf den anderen ist unser Kind ein erzählendes Wesen. Sprache unklar, klingt aber russisch. Lieblingswort: „Da“. Gemeint ist alles Mögliche, das Spielzeug, ich, der Papa, sämtliche anderen Verwandten, danke und was sonst noch aktuell ist.

Und dann das Geplapper. Dieses niedliche, unspezifische Vor-sich-hin-Erzählen, das kein Mensch versteht außer Alisa und vielleicht Alf vom Planeten Melmac. „Ablagug da blablab ug ma!“ Keine Ahnung, was sie sagt, aber ich könnte ihr stundenlang zuhören.

Anfang der Woche sind wir nach Köln gefahren. Und da ich ohne Baby kein vollständiger Mensch bin, musste Alisa mit. Weil sie Autofahren hasst, haben wir kurzfristig noch einen anderen Autositz gekauft. Einen, in dem sie nicht so eingequetscht sitzt, sondern auch während der Fahrt gemütlich liegen kann. Und siehe da: Unser Kind hat geschlafen! Im Auto! Ebay-Kleinanzeigen sei Dank!

Bedenken hatte ich auch, was das Schlafen in einem fremden Bett in fremder Umgebung angeht. Noch dazu ohne gewohntes Einschlafritual mit „vor-dem-Schlafen-gehen-wird-gebadet“, weil wir nicht auch noch ihre Wanne mitnehmen konnten. Das Auto war so schon total überladen. Für ein kinderloses Paar reichen für so einen Kurztrip ja ein paar Klamotten, Duschzeug und Zahnbürste. Mit Baby packst du den halben Hausstand ein, von Geschirr über verschiedene Sorten Brei, Flaschenwärmer, Thermoskanne, Wasserkocher, Lätzchen, Kleidung, Badetuch, Notfall-Apotheke, diverse Cremes und Feuchttücher bis hin zu Spielzeug in allen Farben, Tönen und Ausführungen. Kein Wunder, dass die meisten Eltern mit Multi-Van unterwegs sind.

In Köln angekommen, sind wir gleich erstmal mit der Kutsche raus. Zum Akklimatisieren an frischer Luft und so. Blöd nur, dass Großstadt so ziemlich das Gegenteil ist von erzgebirgischem Wald. Laut, hektisch, viele Menschen und an jeder Ecke riecht es anders komisch. Alisa war das wohl auch zu viel, sie hat die Schotten dicht gemacht und gleich wieder geschlafen.

Weil es im Hotel kein Essen gab und wir auf die Schnelle kein veganes Restaurant gefunden haben, sind wir zum Vietnamesen und haben uns Reis-Gemüse-Tofu-süß-sauer geholt und mit aufs Zimmer genommen. Was zur Folge hatte, dass es hier stundenlang nach asiatischer Großküche roch, weil das Babybett direkt am Fenster stand und wir nicht richtig lüften konnten.

Alisa haben wir dann auch gefüttert und mangels Badewanne unter der Dusche abgebraust. Um so etwas wie Alltäglichkeit zu simulieren. Es gab noch ein Fläschchen, das sie nicht wollte und dann ging‘s ab ins fremde Heia-Bett. Alles so selbstverständlich wie möglich. Schnuller rein, Schmusetuch zum Kuscheln, Küsschen, Küsschen, gute Nacht! Auf Zehenspitzen davongeschlichen. Der Plan war, das Babyphon mit in die Lobby zu nehmen und noch gemütlich ein Kölsch und einen Wein zu trinken.

Alisa hatte andere Pläne. Und die hatten nichts mit Schlafen zu tun. Wenn ich am Bett stand, war alles gut. Sah sie mich nicht mehr, schrie sie um ihr Leben. Irgendwann wurden die Abstände zwischen Aus-dem-Sichtfeld-Verschwinden und Losschreien glücklicherweise länger. In den „Pausen“ saßen wir im Dunkeln auf dem Hotelbett, sprach- und reglos, und warteten auf den Sandmann.

Als sie ENDLICH eingeschlafen war, prüfte mein Freund, ob das Babyphon in der Lobby Empfang hat. Negativ. Sechs Stockwerke sind wohl doch ein paar Mauern zu viel. Kölsch und Wein wanderten also aufs Zimmer und wir verkrochen uns so leise wie möglich ins Bett und schauten Youtube-Videos. Mit Kopfhörer, versteht sich.

Die Nacht war recht unruhig, Alisa oft wach. Am nächsten Morgen wussten wir auch, wieso: Sie zahnt!

Wir saßen gerade im Auto auf dem Weg zu einem Termin, als ich zu ihr herübersah und plötzlich BLUT!!!! Das ganze Kinn voller BLUT!!! Panisch zog ich ihr das Spielzeug aus dem Mund und –  entdeckte die zwei süßesten Zahnspitzen, die die Welt je gesehen hat. Nie wieder wird ein Gebiss mit zwei Zähnen so hinreißend aussehen.

Alles in allem war die Reise unkomplizierter, als ich es mir ausgemalt hatte. Alisa hat super mitgemacht und war wohl einfach froh, dass sie bei uns sein konnte. Wen kümmert schon eine fremde Umgebung, wenn deine vertrautesten Menschen bei dir sind!

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