Status: Es ist kompliziert

Früher war das Leben irgendwie einfacher. Aufstehen, Tagwerk verrichten, schlafen. DURCH, versteht sich. Mit Baby erfordern selbst die simpelsten Dinge einen enormen Aufwand an Planung und Zeit. Alles ist so kompliziert. Auto fahren: kompliziert. Essen machen: kompliziert. Schlafen: Sowas von kompliziert. Haare waschen: Kompliziert. Auf Toilette gehen: Kompliziert. Beziehung: Leider auch kompliziert.

Manchmal sitze ich da, müde, mit platten Haaren und Brei auf den Pulli-Ärmeln, und starre auf mein schlafendes Baby. Wie kann etwas so Bezauberndes so kompliziert sein? Ich würde so gern einmal wieder in Ruhe etwas Schönes backen. Oder malen. Oder Yoga machen. Oder nichts tun.

Ein Baby zwingt dich, aktiv zu sein. Du MUSST zeitig aufstehen. Du MUSST sauber machen. Du MUSST kochen. Die Tage rasen dahin, weil man vor lauter Erledigungen gar nicht merkt, wie die Stunden vergehen. Ich habe abends manchmal schon vergessen, was ich morgens gemacht habe. Ich ackere den ganzen Tag und habe doch das Gefühl, ich komme zu nichts.

Aber das Gute ist, es gibt keine Langeweile mehr. Und man wird unglaublich effizient. Duschen in 1,5 Minuten? Kein Problem! Gleichzeitig Brei aufwärmen, Haare föhnen und Waschmaschine ausräumen?  Auch kein Problem! Powernapping, während das Baby mit seinen Füßchen spielt? Geht! Ich finde, Multitasking sollte in MUTTItasking umbenannt werden.

Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Und die Beziehung daran wahrscheinlich auch. Ganz ehrlich, was mein Freund und ich uns in den letzten siebeneinhalb Monaten gestritten haben, ist krass. Ich hätte nie gedacht, über welchen Mist man in Streit geraten kann. Zimmerpflanzen. Tacker-Klammern. Fussel! Und alles nur, weil man gestresst ist und wegen jeder Kleinigkeit an die Decke geht.

Glücklicherweise ist mein Freund jemand, der redet. Ich meine, wirklich darüber redet und nicht alles in sich hineinfrisst. Der auf mich zugeht, wenn ich stur bin und alles wieder ins Lot bringt. Da habe ich Glück, ich weiß.

Meistens macht man es sich auch selbst kompliziert. Alisa ist an sich nämlich ein sehr unkompliziertes Baby. Will halt andauernd bei Mama sein, was ja aber auch schön ist. Und man gewöhnt sich schließlich an alles. An den Känguru-Style mit Baby im Tragetuch, an das zu zweit auf Toilette gehen und sogar an die unbequeme Schlafposition. Was ist schon eine eingeschlafene linke Pobacke gegen den lieblichen Anblick seines schlafenden Babys?

Und während ich also so dasitze und auf mein Baby starre, denke ich mir, ich will überhaupt kein einfaches Leben. Ich WILL Aufregung, ich WILL Action und ich WILL mit meinem Freund über Probleme reden. Nach einem klärenden Gespräch ist nämlich alles doppelt so harmonisch und wir sind uns wieder ein Stückchen näher gekommen, kennen einander ein bisschen besser. Und Chillen macht mir sowieso mehr Spaß, wenn ich weiß, das habe ich mir verdient!

Außerdem wird es nicht einfacher. Mittlerweile weiß ich, was die anderen immer damit gemeint  haben, wenn sie sagten: Genieß‘ die Zeit, wo Alisa noch ruhig daliegt. Wenn sie mobil wird, geht der Stress erst richtig los. Wie wahr! Jetzt, wo sie das mit dem Drehen herausgefunden hat, bewegt sie sich auch jeden Tag ein Stückchen weiter fort. Vorbei die Zeit, wo sie still auf einer Stelle lag und man daneben in Ruhe irgendetwas anderes machen konnte.

Und das Wickeln! Ich weiß jetzt, warum es heißt, dass man das Baby NIEMALS allein auf dem Wickeltisch liegen lassen soll. Da guckst du eine Sekunde nicht hin und schon macht es den Abflug über die Tischkante. Alptraum. Selbst wenn ich mich nur bücke, um etwas aufzuheben, lasse ich immer eine Hand am Baby. Sicher ist sicher. Das Wickeln selbst ist eine artistische Herausforderung. Kinderlose: Versucht mal, einem achtarmigen Kraken Socken anzuziehen. Dann wisst ihr, was ich meine.

Aber ist ja auch cool, so ein mobiles Baby. Und je mehr Alisa sich selbst fortbewegt, desto weniger muss ich sie herumschleppen. Wobei ich das dann vermutlich auch wieder vermissen werde. Es ist nicht leicht, als Mama.

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