Digital Detox: Warum es Sinn macht, das Smartphone auch mal auszuschalten 

Heute mein Smartphone zuhause vergessen. Ist es eigentlich normal, dass man sich ohne Handy fühlt, wie amputiert? Irgendwie unvollständig, sagt auch mein Freund. Und angesichts der Tatsache, dass nahezu jeder Erwachsene, den ich kenne, IMMER und ÜBERALL sein Smartphone einstecken hat, sind wir wohl keine Einzelfälle.

Ich erinnere mich noch an die Zeit, als ich Kind war und die Festnetznummern all meiner Freundinnen auswendig kannte. „Hallo, hier ist Annemarie, ist XXX da?“ Damals schon haben meine Eltern gewitzelt, wie sie es damals wohl ohne Telefon geschafft hätten, sich mit Freunden zu verabreden. Und heute? Trifft man sich erst gar nicht mehr. Sondern „what‘s apped“ den ganzen Tag. Oder skyped, facebooked, twittert, snapchatted.

Grundsätzlich finde ich das gar nicht so schlecht. Ich kann regelmäßig mit Menschen in Kontakt sein, die ich im Alltag aufgrund von Zeitmangel und/oder Entfernung nur selten treffen kann. Ohne Smartphone wäre ich als Mama in Elternzeit schon längst vereinsamt.

Was mich aber stört, ist diese Abhängigkeit. Dass ich in jeder freien Minuten zum Smartphone greife und Nachrichten, Facebook, Instagram und so weiter checke. So viel verlorene Zeit! Ich meine, da hat man das bezauberndste Baby der Welt neben sich liegen und was macht man? Man tippt gedankenverloren auf einem toten Gerät. 

„Smombie“, eine Zusammensetzung aus Smartphone und Zombie, nennt man einen Menschen, der so auf sein Smartphone fixiert ist, dass er von der richtigen Welt nichts mehr mitbekommt.

Die permanente Verfügbarkeit ist nicht nur lästig, sie macht auch richtig krank: wer ständig erreichbar ist, entwickelt häufiger Symptome von Stress, Überforderung und Depression. Die ständige Konfrontation mit optimierten, gefotoshopten Bildern in sozialen Netzwerken belastet uns zusätzlich und verstärkt Minderwertigkeitskomplexe und Selbstzweifel. „Nicht abschalten können“ ist in diesem Falle wörtlich gemeint.

Was also tun? 

„Digital Detox“ heißt, dass über einen Zeitraum von einem Tag, einer Woche oder, in besonders harten Fällen, mehreren Wochen auf das Smartphone (und der anderweitige Zugriff auf soziale Netzwerke) verzichtet wird. Kalter Entzug. Es gibt sogar Camps, in denen man unter professioneller Anleitung wieder lernen kann, ohne News zu leben.

Nun ist es ja aber so, dass gerade das Smartphone für die meisten heutzutage ein unabkömmlicher Begleiter ist. Es ist nicht nur ein Telefon. Es ist unser Kalender, unser Lexikon, unser Kontakt zur Außenwelt und unsere Kommandozentrale. Gerade wenn man Kinder hat, kann man nicht einfach sagen: „Mama hat kein Handy mehr. Sieh zu, wen du anrufst, wenn du Schwierigkeiten hast!“ Genauso geht es aber auch Angestellten, Selbständigen, Managern, Lehrern, Journalisten und und und. Kaum eine Berufsgruppe kann es sich heute noch leisten, das Handy auch mal auszuschalten und mal nicht „up to date“ zu sein.

Und genau das, das Darauf-angewiesen-sein, macht das Abschalten so schwierig. Bei anderen Süchten, Alkohol oder Nikotin beispielsweise, setzt man zum Loskommen auf konsequenten Verzicht. Das geht beim Smartphone nicht. Hier muss man sich mäßigen. Und ist Mäßigung nicht das, was uns allen am schwersten fällt? Alles oder Nichts ist viel einfacher.

Und trotzdem lohnt es sich. Weniger Handy bedeutet mehr Zeit für angenehme Dinge. Lesen. Basteln. Backen. Spielen! Miteinander reden. Wolken gucken. Schlafen. So viele Möglichkeiten. 

Deshalb mache ich jetzt Digital Detox light: Nur noch einmal pro Stunde Nachrichten checken. Nur noch einmal am Tag, am besten zu einer festgelegten Zeit, durch Facebook und Co scrollen. Das Handy beim Spazierengehen zu Hause lassen. Nicht immer gleich Google fragen, sondern auch mal selber nachdenken – den Kopf einschalten statt das Handy.

Das würde generell viele Probleme lösen. 🙂

Das Smartphone macht unser aller Leben einfacher und bequemer. Ganz verzichten möchte ich darauf nicht. Aber es kann nicht schaden, sich wieder öfter auf das zu besinnen, was wirklich zählt: das echte Leben. 

Das ist nämlich besser als jede App der Welt.

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