Eine Yogastunde für die Katz‘

Es gibt Tage, da verliert man. Und es gibt Menschen, mit denen wird man einfach nicht warm. Man redet zehn Sekunden mit ihnen und weiß: das wird nichts mehr. Die Leiterin vom Mutter-Kind-Yoga zum Beispiel. 

Unser Verhältnis fing schon schwierig an. Ich war über einen Flyer auf den neuen Kurs aufmerksam geworden und wollte mich telefonisch anmelden. Die Frau ging ran und kam mir gleich abweisend vor. Sie wisse noch gar nicht, ob der Kurs zustande kommt, sie habe ihr Studio gerade erst eröffnet. O-kay? Wozu dann der Flyer? Immerhin schrieb sie mich auf eine Liste und sagte, sie „meldet“ sich.

Kann sein, dass ich das überbewerte, aber wenn dir zum Beispiel nach einem Date einer sagt, er meldet sich, dann weißt du genau: den siehst du nie wieder. „Sich melden“ ist Schönsprech für „Ich find dich kacke, also nerv nicht!“

Von der Yoga-Frau hörte ich jedenfalls zwei Monate lang nichts mehr. Ich hatte das Ding schon abgehakt, bis schließlich doch noch eine SMS kam: Im Elternkurs sei ein Platz freigeworden. Ob ich noch Interesse habe?

Elternkurs? Ich wollte zum Yoga! Nach einigem Hin und Her („Aber der Elternkurs ist super für frischgebackene Muttis!“ „Ich will aber Yoga machen!“) bot sie mir schließlich eine Schnupperstunde an.

Schon die Anfahrt ging schief. Ich hatte die Adresse bei Google Maps eingegeben. Das Navi führte mich zu einem schaurigen alten Gehöft, das aussah, als wäre darin kein Yogastudio, sondern ein Metzger. Ein Schild oder einen Eingang konnte ich auch nicht finden.

Ich also wieder die Frau angerufen. „Sie rufen bestimmt an, weil sie den Eingang nicht finden.“ Ja! Endlich sind wir mal auf einer Wellenlänge. Ob ich im Hof stehe und zwei rote Autos sehe. Und einen alten Schornstein. Jawohl, alles direkt vor mir. Gut, ich solle nun einfach den Pflastersteinen folgen, bis ich vor einem Eingang mit Glasdach stehe. Okay, finde ich bestimmt, bis gleich.

Tja. Minutenlang irrte ich auf dem Hof herum. Öffnete hier eine marode Tür, dort ein morsches Tor. Einen Eingang mit Glasdach fand ich nicht. Bis sich herausstellte: Ich war in der falschen Stadt! Das Navi hat mich zur falschen Adresse gelotst! Zum Glück schlief das Baby im Auto. Wenn die Kleine geheult hätte, wäre ich schon längst abgehauen.

Ich fuhr also zur richtigen Adresse und fand alles auf Anhieb. Verrückter Zufall, dass auch hier zwei rote Autos standen und ein alter Schornstein. Dann erster Sichtkontakt. Weil ich keine Klingel fand, trat ich einfach ein. Die Yoga-Frau war noch mit einer anderen Kundin im Gespräch, ich solle es mir aber inzwischen gemütlich machen. Große Halle, zugig, kein Licht. Nicht einmal Kerzen. Gemütlich sieht anders aus.

Meine Tochter sah das anscheinend ähnlich. Sie fing sofort an zu weinen. Ich verfluchte mich, dass ich sie mit hergeschleppt hatte. Sie war noch nicht richtig gesund und schon den ganzen Tag am Ningeln.

Kursleiterin Beate*, eine mallorcagebräunte Endvierzigerin, fragte als Erstes, was ich eigentlich im Yoga will. Ernsthaft? Ja, Kanga sei doch viel besser für mich und das Baby geeignet. Oder vielleicht doch der Elternkurs…?!

Was sie sonst noch erzählt hat, habe ich größtenteils vergessen. War abgelenkt vom schreienden Baby. Es ging auf jeden Fall um Yoga.  Und um diesen Elternkurs. Ich will Beate überhaupt keine Vorwürfe machen. Sie betreibt ihr Studio sicher mit Herzblut und die Kurse sind bestimmt toll und entspannend. Aber uns war an dem Tag einfach kein Glück beschieden. Sie hat sogar noch versucht, Alisa hoch zu nehmen und zu beruhigen. Sie konnte ja nicht ahnen, dass meine Tochter es für unverzeihlich hält, wenn ein Fremder sie hochnimmt. Dementsprechend wechselte ihr Schreien von „Heuler“ zu „Sirene“. Das Zeichen zum Gehen.

Beate drückte mir zum Abschied noch einen Flyer in die Hand. Ich gab ihn zur Ablenkung dem Baby, das sich prompt an einem abgekauten Papierfetzen verschluckte. Ich war fertig mit den Nerven. Nichts mit Om und Savasana. Ob ich denn wiederkommen möchte? „Ich melde mich!“
*Name geändert

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