Und was ist mit Fisch?

Irgendwie denken ja viele, dass Vegetarier „zumindest“ Fisch essen. Bei mir auf Arbeit gab es in der Kantine jeden Tag eine vegetarische Alternative. Nudeln mit Tomatensoße, Gemüseauflauf, solche Sachen. Und regelmäßig: Lachsgratin. Tatsächlich gibt es ja viele, die zwar kein Fleisch, aber Fisch essen. Das sind dann aber keine Vegetarier, sondern Pescetarier oder Pesco-Vegetarier. Als ich angefangen habe mit dem Verzicht auf Fleisch, habe ich ab und zu noch Fisch gegessen. Vor allem in Restaurants, die keine vegetarischen Gerichte führten (oder auf Arbeit) und bei Einladungen. Ich fand das okay. Irgendwie nicht so schlimm wie „richtige“ Tiere zu essen. Liegt das daran, dass wir nicht so viel Mitgefühl mit Wesen haben, die uns unähnlich sind?

Fische sind uns fremd. Sie sind glitschig, sie stinken nach Seetang, glotzen doof und sind immer so stumm. Aber nur weil wir sie nicht verstehen, heißt das nicht, dass sie dumm sind. Vielleicht sind wir ja einfach nicht intelligent genug, ihre Fähigkeiten zu erkennen? Fische kommunizieren und kooperieren untereinander und artübergreifend, sie sind lernfähig und haben ein ausgeprägtes Langzeitgedächtnis und können sogar Werkzeuge benutzen (zum Beispiel zum Aufknacken von Muscheln). Ihre Intelligenz ist vergleichbar mit der von Affen und anderen höher entwickelten Wirbeltieren. Und das Wichtigste: Sie fühlen. Auch Schmerzen.

Das Essen von Fischen ist also allein schon aus ethischer Sicht fragwürdig. Trotzdem werden jedes Jahr 90 Millionen Tonnen (!) Fisch und Meerestiere gefangen. Das sind 0,97 bis 2,74 Billionen Tiere! 87 Prozent der weltweiten Fischbestände stehen an der Grenze der maximalen Ausbeutung. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gibt es Konzerne, die mit vom Aussterben bedrohten Arten Profit machen. Mitsubishi zum Beispiel hat mehrere zehntausend Tonnen Blauflossen-Thunfisch eingelagert (tiefgefroren natürlich) und fährt mit dem Verkauf dicke Gewinne ein. Je seltener die Tiere werden, desto höher der Preis auf dem Weltmarkt.

Und nicht nur der blaue Thun verschwindet langsam aus den Weltmeeren. Wenn sich an den derzeitigen Fangquoten nichts ändert, sind laut Schätzungen des WWF im Jahr 2050 die Ozeane leer gefischt.

Das betrifft nicht nur Speisefische, sondern auch den Beifang: Pro Jahr 300.000 Wale und Delfine, Millionen Haie und Rochen, 250.000 Schildkröten und rund 300.000 Seevögel verfangen sich in den Netzen der Fischer und verenden qualvoll.

Selbst wenn einem das alles komplett egal ist, schließlich ist der Mensch ja ein „Jäger“ und Fisch essen liegt nun einmal in unserer Natur und wenn wir Fische nicht essen sollen, warum sind sie dann so lecker und so weiter bla bla bla – gesund ist Fisch schon lange nicht mehr

Vor allem große Fische am Ende der Nahrungskette, also Räuber wie Thunfisch, Stör, Rotbarsch, Heilbutt, Schwertfisch, Aal und Hecht, sind stark mit Quecksilber, Dioxin, PCB, TBT und anderen Umweltgiften belastet. Quecksilber schädigt unser Gehirn und Nervensystem, schon zwei Portionen Fisch pro Woche erhöhen das Schlaganfallrisiko. Bei Ungeborenen führen selbst geringe Mengen zu Entwicklungsstörungen und einem erhöhten Risiko für Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsproblemen und Hyperaktivität.

TBT (eine Zinnverbindung) gilt als einer der giftigsten Stoffe, die je hergestellt wurden. „Triphenylzinn“ ist in Holzschutzmitteln und Schiffsanstrichen enthalten und soll dafür sorgen, dass sich keine Algen, Muscheln, Schnecken und derartiges Getier an Schiffsrümpfen festsetzt. Leider bleibt der Stoff nicht, wo er hingehört, sondern landet nach und nach im Meer – und in dessen Bewohnern. Ökotest hat 16 Tomatenfischkonserven auf das Toxin untersucht. Ergebnis: ALLE waren belastet. TBT ist erbgutverändernd, krebserregend und kann zu Unfruchtbarkeit führen.

Dosenfisch hat noch einen weiteren Nachteil: Die Innenbeschichtung enthält oft Biphenol-A-diglycidylether (BADGE), das durch öl- und fetthaltige Lebensmittel herausgelöst wird. Es wird ebenfalls als erbgutverändernd und krebserregend eingestuft.

Fisch aus Aquakulturen ist auch keine optimale Lösung, weil die gezüchteten Fische mit Fischmehl und Fischöl gefüttert werden. Fischmehl ist häufig mit dem Pflanzenschutzmittel Ethoxyquin belastet, was im Verdacht steht, leberschädigend und krebserregend zu wirken. Außerdem sind die gezüchteten Fische durch die Haltungsbedingungen anfälliger für Krankheiten und bekommen wie alle Tiere in Massenbetrieben Antibiotika.

Ein Dilemma: Wildfisch – doof, weil toxinbelastet und Fang zerstört Ökosysteme; Aquakulturen – auch doof, weil Fische bekommen toxinbelastetes Futter.

Wer sichergehen und „guten“ Fisch essen will (ungeachtet der ethischen Bedenken), sollte sich die Mühe machen und genau hinschauen. Der WWF zum Beispiel hält Hering und Sprotte für unbedenklich, wenn diese in Nord- oder Ostsee gefischt wurden. Ebenso Karpfen aus europäischen Aquakulturen und Lachs und Forelle aus Biofischzucht.

Wem das zu kompliziert ist, hat immerhin zwei Möglichkeiten: gesundheitliche und ökologische Schäden in Kauf nehmen oder einfach keinen Fisch mehr essen. Die wichtigen Omega-3-Fettsäuren sind auch in anderen Lebensmitteln enthalten: Leinsamen, Chiasamen, Walnüssen, Avocados, pflanzlichen Ölen…

HIER gibt es noch ein super witziges und informatives Video zum Thema.

Quellen:

https://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/ist-fisch-noch-geniessbar/

http://www.peta.de/so-schaedlich-ist-fischkonsum-fuer-die-gesundheit#.WNbEz6T4nMI

http://www.ndr.de/ratgeber/kochen/warenkunde/Welcher-Fisch-darf-noch-auf-Teller,fisch104.html

https://albert-schweitzer-stiftung.de/meerestiere/fische-wild#utm_source=social&utm_medium=social&utm_campaign=fb-post

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