Schreianfall im Supermarkt

Ein schreiendes Kind in einem überfüllten Supermarkt. Ein Horrorszenario für viele Eltern. Gestern durften wir diese Erfahrung zum ersten Mal machen. Wir waren im Kaufland und Alisa hatte generell schon einen eher schwierigen Tag. Wollte schlafen, konnte nicht, sollte essen, wollte nicht. Mittags konnte sie dann vor Hunger nicht schlafen und die Faschingsfeier im Babysportkurs hat sie zusätzlich überreizt. Beim Einkaufen ist schließlich ihr ganzer Unmut aus ihr herausgebrochen.

Schon auf der Hinfahrt fing sie an zu nörgeln. Papa saß extra mit hinten und gab sein Bestes, sie bei Laune zu halten. Er hatte keine Chance. Schnuller gegeben. Rausgespuckt. Mit Spielzeug gewackelt. Lauter geschrien. Vielleicht ist ihr zu warm? Jacke aufgemacht. Geschrien. Mütze abgesetzt. Gebrüllt! Meistens beruhigt sie sich, wenn der Maxi Cosi aus dem Auto genommen und sie darin ein bisschen herumgetragen wird. Nicht diesmal. Genervt steuerten wir also mit dem schreienden Maxi Cosi-Baby-Paket ins Kaufland, gesäumt von mitleidig blickenden Kunden. Oder waren die auch genervt?

Das Schlimme ist ja nicht, dass das Kind schreit, sondern dass es in der Öffentlichkeit schreit. Vor allem, wenn man weiß, dass das hier gerade ein Machtspiel ist. Baby will getragen werden, wir wollen einkaufen. Man kann sich hundertmal sagen, da muss es jetzt durch und Kinder schreien nun mal und jetzt heißt es konsequent bleiben und ist mir doch egal was die anderen denken. Aber wenn du im Laden stehst, im Einkaufswagen ein Baby, das dich permanent anbrüllt und du Schweißausbrüche bekommst, weil alle schon gucken, dann vergisst du alles, was du glaubst über Erziehung zu wissen. Erst haben wir sie herumgefahren – quer durch alle Gänge, keine Ahnung was wir eigentlich einkaufen wollten. Dann beruhigend auf sie eingeredet. Ihr lustiges Obst gezeigt. Mit lustigem Obst auf dem Kopf getanzt. Pffft, Madame war alles egal.

Ich hab schließlich nachgegeben. Sie abgeschnallt, rausgnommen und herumgetragen. Ei, da war sie wieder das friedlichste und liebste Kind auf der Welt. Ich weiß. Ich weiß! Sie hat gewonnen. Aber ganz ehrlich, sie hat mir auch leid getan. Diese kleine Maus, die schon einen harten Tag hinter sich hatte und wahrscheinlich auch gerade einen Entwicklungsschub durchmacht und einfach nur ganz nah bei uns sein will. Ich kann sie da nicht kaltherzig mit ihrem Leid allein lassen. Sie ist doch noch ein Baby!

Sie ist schon ganz schön verwöhnt, mögen jetzt einige sagen. Wenn mit „verwöhnen“ gemeint ist, dass wir ihre Bedürfnisse berücksichtigen und ihr zeigen, dass wir da sind, wenn sie uns braucht – ja, dann ist sie das. Was aber ist schlimm daran? Mir ist klar, dass Kinder, die immer ihren Willen bekommen, selbstsüchtige Egomanen werden. Soweit wollen wir es gewiss nicht kommen lassen. Aber es ist etwas anderes, ob man sie mal hochnimmt, wenn sie schreit, oder ob man ihr jedes Spielzeug kauft, das sie gerade sieht oder sie kommentarlos die Wohnzimmerwand mit Edding bemalen lässt.

Außerdem haben wir sie nach einer Weile wieder zurück in ihren Sitz gelegt, wo sie friedselig einschlummerte. Win-win-Situation. Wir sollten froh sein, solange sich die Probleme unserer Kinder noch mit ein bisschen Herumtragen lösen lassen.

 

Wer Kinder hat, kennt solche Schreianfälle wahrscheinlich. Schreibt mir gern in die Kommentare, wie ihr da reagiert. Ich finde es immer interessant, wie andere Eltern mit solchen Situationen umgehen.

 

2 Gedanken zu „Schreianfall im Supermarkt“

  1. Uns hat beim Einkaufen eine Slingtragehilfe geholfen: https://goo.gl/images/CztSlc
    (Oder auch eine normale Tragehilfe/ein normales Tragetuch für die ganz Kleinen.)

    Das Baby ist da, wo es am liebsten ist, nämlich ganz nah bei Mama oder Papa. Man hat die Hände frei und kann sich frei bewegen. Die kleinen kann man einfach rein und raus setzen.
    Ein weiterer Vorteil: in dem Tuch können die Kleinen selbstständig bestimmen, wie viele Reize auf sie wirken sollen. Zu viele neugierige Blicke, zu viele Farben, zu viele Reize vom vorherigen Fasching? Dann kann es sich einfach zurückziehen und mit dem Gesicht an Mami kuscheln. Dieser „Schutz“ fehlt, wenn sie im Maxi Cosi liegen, dann sie der Flut ausgesetzt.
    Da unsere Kleine das Tragen so liebt(e), hat sie sich im Tuch auch nach dem schlimmsten Schreianfall stets schnell beruhigt. Mamis/Papis Nähe ist das tollste.

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  2. Danke für den Tipp! Das wird beim nächsten Einkauf gleich probiert. Mal schauen wie es klappt. Zuhause fängt sie darin nämlich leider nach kurzer Zeit an zu quengeln…sowohl im Tuch als auch in der Trage. Vielleicht klappt es draußen rum aber besser. Einen Versuch ist es wert. Liebe Grüße!

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