Es ist verantwortungslos, Kindern Fleisch vorzuenthalten!

Gestern ist es schon wieder passiert. Zufällig kommt das Gespräch auf die Ernährung – und ausgerechnet ein dickbäuchiger Mann, dem der Bluthochdruck schon ins feiste Gesicht geschrieben steht und der zum Frühstück wahrscheinlich drei Wurstsemmeln isst und Currywurst und Cordon Bleu als essentiellen Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung ansieht, will mir erklären, dass man (!!!) unbedingt Fleisch braucht. Weil uns immer wieder Leute darauf ansprechen, ob wir unserer Tochter nicht etwas vorenthalten, weil wir ihr kein Fleisch geben, möchte ich das hier noch einmal erklären.

Anders, als es uns die BILD oder reißerische TV-Sendungen mit „seriösen“ Wissenschaftlern (das sind schließlich Ärzte!) glauben machen wollen, benötigt der Mensch KEIN Fleisch, um gesund zu bleiben. Was wir brauchen, sind diverse Inhaltsstoffe aus dem Fleisch. Eisen zum Beispiel und Vitamin B12. Eisen aber ist auch in Getreidesorten und grünem Blattgemüse zur Genüge enthalten. Ein erwachsener Mensch sollte pro Tag etwa zehn bis 15 Milligramm Eisen aufnehmen, Kinder etwa acht Milligramm. Um diesen Bedarf durch Fleisch zu decken, müsste ein Kind jeden Tag (!) 40 Gramm Schweineleber oder Innereien, 120 Gramm Blutwurst oder ein halbes Hähnchen essen. Abgesehen von den ungesunden anderen Inhaltsstoffen (gesättigte Fettsäuren, Antibiotika- und Hormonrückstände, Cholesterin und ein zu hohes Maß an tierischem Protein) kenne ich kein kleines Kind, das mit Vorliebe Schweineleber oder Blutwurst reinschlabbert. Der Großteil der Deutschen deckt seinen Eisenbedarf auch nicht durch Fleisch, sondern durch Brot. Ich finde es lächerlich, wenn jemand mit erhobenem Zeigefinger die vegane Ernährung tadelt und das ausgerechnet mit dem Eisen begründet.

Ein weiterer (und sinnvollerer) Kritikpunkt ist das Vitamin B12. Ja, es stimmt, das ist wirklich nur in tierischen Lebensmitteln enthalten. Ein bisschen auch in Sauerkraut und Algen, aber damit können wir unseren Bedarf leider nicht decken. Veganer sind also auf die künstliche Zufuhr von Vitamin B12 angewiesen. Alle, die jetzt rufen „Ha! Vegane Ernährung ist also doch eine Mangelernährung!“ – nein, ist sie nicht. Denn der wissenschaftliche Fortschritt versetzt uns glücklicherweise in die komfortable Lage, diesen einen Nährstoff in Form von Tabletten aufnehmen zu können. „Aber eine Ernährungsweise, die nur mithilfe von Tabletten funktioniert, ist doch unnatürlich!“ Zuerst einmal: In Zeiten der industriellen Massentierhaltung und ständigen Verfügbarkeit jedweder Lebensmittel ist NICHTS mehr natürlich. Wer mit Natürlichkeit argumentiert, müsste auch sein Schwein selbst jagen und schlachten, sein Obst und Gemüse selbst anbauen und ernten und im Winter mit einem Bärenfell in einer zugigen Hütte schlafen – oder gleich in der Höhle. Außerdem gibt es viele Menschen, auch Mischköstler, die bestimmte Stoffe supplementieren. Vitamin C zum Beispiel oder Vitamin D im Winter, Schwangere nehmen Folsäuretabletten ein, Sportler versorgen sich mit zusätzlichem Magnesium, Bodybuilder schlucken Eiweißkapseln, wieder andere versuchen ihre grauen Zellen mit „Gingko Biloba“ in Schwung zu halten und und und. Und ich schlucke lieber eine friedliche Vitamin B12-Tablette als irgendwo eine Kuh abzustechen (oder abstechen zu lassen).

Überhaupt: Wie kommt das Vitamin B12 eigentlich in die Kuh? Wo Rinder doch reine Pflanzenfresser sind? Ganz einfach: Über Vitamin B12-Tabletten! Das ist feinste Ironie. Früher, als die Böden durch das viele Nitrat noch nicht übersäuert waren und sich nützliche Bakterien auf Gras und Ackerpflanzen tummelten, bezogen Kühe das B12 über diese. Auch wir Menschen nahmen mit unserer Nahrung mehr Dreck und Bakterien auf und versorgten uns so mit dem Vitamin. Heute aber, wo alles steril ist und Kühe Industriefutter fressen statt Gras, ist auch die Viehwirtschaft auf  Supplementierung angewiesen. Warum also erst den Umweg über das Fleisch gehen, als gleich das Supplement zu schlucken?

Fakt ist: Fleisch macht uns krank. Die Mengen, die in Deutschland mittlerweile verzehrt werden, sind Ursache einer Vielzahl an „Zivilisations“-Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Rheuma, Arteriosklerose, Gicht, Herzinfarkt, Schlaganfall und Allergien. Ganz zu schweigen von den zwei Drittel der Deutschen, die übergewichtig sind! Anstatt auf die Veganer zu zeigen (von denen sich die meisten wirklich gut informieren und mit Ernährung auskennen) und ihnen irgendeinen Mangel zu unterstellen, sollten sich die Leute lieber an die eigene Nase fassen und IHRE Mängel untersuchen lassen. Eltern, die mit ihren Kindern dreimal die Woche zu McDonalds, Burgerking und Co rennen, gelten als normal, aber Veganer-Eltern als verantwortungslos. Irgendwas läuft doch da schief.

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