Ein besonderes Geschenk

Geburtstage sind für uns Ü-25-Jährige gemeinhin ein Grund zur Wehmut. Wir freuen uns natürlich noch über Glückwunsche und Geschenke und fühlen uns einen Tag lang ein bisschen besonders. In einem Winkel unseres Herzens aber trauern wir: um die Unbeschwertheit unserer Jugend, um die vertanen Chancen und um die Versuchungen, denen wir nicht nachgegeben haben. Wieder ein Jahr weniger, das noch kommt. Und als Mutter vergeht alles scheinbar noch viel, viel schneller. 

Ich bin langsam in einem Alter, in dem mich das Älterwerden schmerzt. Ich freue mich nach wie vor wie ein Kind auf meinen Geburtstag. Aber das mit dem Altwerden müsste nicht sein. Ich bin ein großer Freund von Beständigkeit. Ich trage immer die gleiche Kette, immer die gleiche Frisur und möchte immer noch mit demselben Mann alt werden. Wenn ich mich in einer Lebensphase gemütlich eingerichtet habe, möchte ich, dass das bitteschön für immer so bleibt. Das einzig Beständige ist aber nun mal nur der Wandel, das wussten schon die alten Griechen. Glatte Haut wird faltig, Freunde werden zu Fremden, geliebte Menschen verschwinden für immer aus unserem Leben. Ewige Jugend würde daran auch nichts ändern.

Das Gute ist, wir werden nicht nur älter, sondern auch weiser. Die meisten zumindest. Und dankbarer. Dieses Jahr feierte ich ja nun meinen ersten Geburtstag als Mutter. Und wie wir so an der Kaffetafel sitzen, die Münder voll mit veganem Kuchen, und meine Mutter rührselig meine alte Kindheitsgeschichten aufwärmt, fühle ich mich plötzlich meinen Eltern gegenüber sehr verbunden. Ich denke mir, hey, die haben das auch alles durchgemacht. Alles, was mir vorkommt, als würde ich es als allererster Mensch auf der ganzen Welt erleben, ist ihnen auch schon widerfahren. Schlaflose Nächte. Stundenlanges Schreien. Kleine Händchen, die danach betteln, getragen zu werden. Das überwältigende Glückgefühl, wenn dein Baby dich anlächelt. Der inbrünstige Wunsch, diesem kleinen Menschlein möge im Leben nie Schlimmes geschehen. Das haben sie auch gefühlt – für mich! Wenn ich Hunger hatte, fütterten sie mich. Wenn ich schrie, trugen sie mich. Wenn ich müde war, wogen sie mich in den Schlaf. Und wenn ich traurig war, hielten sie mich so lange im Arm, bis meine Welt wieder in Ordnung war. Einfach, weil sie mich liebten. Weil ich ihr Alles war. Bin.

Das verstehe ich erst jetzt, seit ich selbst Mutter bin. Es ist ein sehr schönes Gefühl, jemanden glücklich zu machen, einfach weil man am Leben ist. Ich hoffe, meine Tochter fühlt das eines Tages auch.

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