Kein Fleisch: Was sagt der Kinderarzt?

Mein letzter Beitrag war recht pathetisch. Wir Veganer sind ja immer gleich so rührselig, wenn’s ums Essen geht. Da gibt es kaum einen, der mal sagt, ey, die Tiere sind mir egal, ich mach das, weil ich hasse Pflanzen! Ich will jetzt auch nicht ewig darauf rum reiten. Muss ja jeder selber wissen, wie und was er isst. Die Kinderärztin meiner Tochter ist übrigens klasse! Großes Lob, sie ist wirklich voll gechillt. Sowohl was das Thema Impfen angeht als auch beim Thema Fleisch.

Ich hatte ehrlich gesagt ein paar Zweifel, ob ich ihr sagen soll, dass wir Alisa kein Fleisch geben. Es gibt ja doch noch genug konservative (oder rückständige) Leute, auch Ärzte, die der Meinung sind, Fleisch gehöre zwingend zu einer ausgewogenen Ernährung dazu. Andererseits möchte ich unbedingt, dass es unserer Kleinen gut geht und sie alle Nährstoffe erhält, die sie zum Wachsen und Gedeihen braucht, und dass das auch jemand Professionelles überwacht. Wenn mir jemand glaubhaft (und wissenschaftlich belegt) versichern könnte, dass sie Fleisch UNBEDINGT benötigt, würde ich ihr natürlich welches geben! Aber es gibt nun mal keinen echten Grund. Im Gegenteil.

Ich wappnete mich also für eine längere Grundsatzdiskussion mit der Ärztin. Nach kurzem Geplauder ging sie zu Alisas Untersuchung über. Ich – halbschräg hinter ihr – suchte nach den richtigen Worten. „Frau L., also es ist ja so, dass wir jetzt angefangen haben, Beikost zu füttern. Also Brei. Mittags. Möhre, Kürbis, Pastinake und so. Klappt auch echt super, ihr gefällt das mit dem Löffel, aber wissen Sie, statt Flei…“ „Frau Claus“, unterbrach sie mich, „wenn ich die Herztöne abhöre, kann ich nichts verstehen.“ Okay. Hrmpf.

Also nochmal von vorn. „Was wollten Sie sagen?“ „Wir geben Alisa kein Fleisch.“

Kein tadelnder Blick, keine gekräuselten Lippen, nicht einmal eine hochgezogene Augenbraue. „Sie sind wohl Vegetarier? Na, dann kennen Sie sich doch bestimmt aus, wo gewisse Stoffe drin sind.“ Ja. Beim Fleisch geht es zum Beispiel ums Eisen. Deshalb geben wir Alisa statt Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei einfach Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei. In vielen Vollkorngetreiden ist sowieso viel mehr Eisen enthalten, als in Fleisch. Auf 100 Gramm enthalten zum Beispiel Hirse mit 6 Milligramm oder Amaranth mit 8 Milligramm  doppelt und dreifach so viel Eisen wie Pute (3 Milligramm) oder Hühnchen (1,4 Milligramm).

Der einzige Stoff, der nur durch tierische Nahrung aufgenommen werden kann, ist Vitamin B12. Veganer müssen es also via Tabletten oder angereicherte Lebensmittel zuführen. Was, im Vergleich zu den gesundheitlichen Nachteilen von tierischen Produkten, ein sehr geringes Übel ist.Überhaupt finde ich die Diskussion, ob eine Ernährungsform, die nur durch Supplementierung eines bestimmten Stoffes „funktioniert“, sinnlos. Es ist doch lächerlich, dass man in einer Zeit, in der jährlich tausende Menschen an ernährungsbedingten Krankheiten sterben und wo in den USA, Kanada, Großbritannien und Australien zahlreiche dieser Krankheiten durch eine Umstellung auf vollwertige, pflanzliche Kost geheilt werden, in Deutschland immer noch darüber streitet, ob Veganer genügend Vitamin B12 erhalten.

Laut unserer Kinderärztin supplementiert man Vitamin B12 bei Säuglingen unter einem Jahr noch nicht. Solange Alisa immer schön zunimmt und wächst und gesund ist, sei alles in Ordnung. Aber das gilt für Kinder von Mischköstlern ja ebenso.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s